Plakette „Bayerns Frauen – Jede anders stark“ mit Hinweis auf Schwester Patrona am ehemaligen Kloster angebracht

Geschrieben von mma am . Veröffentlicht in Nachrichten zu Hahnbach.

Bei der Aktion „Bayerns Frauen – Jede anders stark“ wurde man auf Schwester Patrona aufmerksam und die Gemeinde bekam eine Plakette, die am Haupteingang des ehemaligen Klosters an der Hauptstraße angebracht wurde

Bürgermeister Dominik Sachsenhauser, dritte Bürgermeisterin Evi Höllerer, Katja Stiegler, Geschäftsstellenleiterin der AOVE, und Pfarrer Michael Birner enthüllten die Tafel am vergangenen Mittwoch mit würdigenden Worten und ermutigten die Schüler zu Zivilcourage.

Mit dem Bayerischen Staatsministerium für Familien, Arbeit und Soziales hatte die örtliche AOVE, die Arbeitsgemeinschaft Obere Vils Ehenbach, aufgerufen, besondere Frauen aus der Ortsgeschichte zu benennen.

Unter anderem soll ein Buch über sie entstehen und schon ist eine thematische Busfahrt dazu für 2027 fest geplant.

Davor erinnerten am Ende der Schulanfangsgottesdienste die Ortsheimatpflegerin Marianne Moosburger und der Religionslehrer Martin Melchner in einem informativen Dialog an diese besondere mutige Frau.

Auf ihren „absolut klaren Kompass“ verließ sich die langjährige Hahnbacher Schulschwester Patrona Schwaiger, nämlich „Gottes- und praktizierte Nächstenliebe“. Zielbewusst verfolgte die Halbwaise ihren Traum und wurde Lehrerin.

Nach dem Unterrichtsverbot der Orden unter den Nationalsozialisten stellte sie sich mutig den Anforderungen der Zeit, wurde Krankenschwester und rettete unter Einsatz ihres Lebens auch so manchen Kriegsgefangenen. Nun zeugt eine Erinnerungsplakette am ehemaligen Kloster von ihrem stets couragierten Einsatz.

Maria Patrona Schwaiger wurde am 24. Juni 1910 im niederbayerischen Moos als Tochter eines Sattlers geboren, wo sie mit drei Geschwistern aufwuchs. Als sie erst elf Jahre alt war, starb ihre Mutter. Schon bald soll sie den Beruf der Lehrerin als ihren Weg entdeckt haben, den sie konsequent mit Schule, Studium und der Anwärterzeit in Cham verfolgte.

Mit 25 Jahren trat sie am 18. August 1935 in den Orden der Armen Schulschwestern unserer Lieben Frau ein. Als Lehrerin war sie danach in Neumarkt in der Oberpfalz, Berngau und Reißing eingesetzt.

Mit 30 Jahren kam sie1940 nach Hahnbach, wo ihr das örtliche Kloster zur neuen Heimat wurde. Gerne hätte sie auch in Hahnbach weiter unterrichtet, doch nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde auch ihr diese Berufsausübung verboten. Damit waren die Schwestern ohne Arbeit und dem Kloster fielen dadurch überlebensnotwendige Einnahmen weg.

Als segensreich für sie und das Kloster sollte sich schließlich ihre Zusatzausbildung in der Krankenpflegeschule in Straubing herausstellen, die sie 1938 erfolgreich absolvierte und danach weitere praktische Erfahrung in einer Münchner Klinik sammelte.

In Hahnbach war sie wohl die treibende Kraft, den einstigen Ochsenstall, das derzeitige „Klostergewölbe“, in ein Krankenlager umzubauen. Schon bald pflegten die Schwestern dort nicht nur Pflegebedürftige aus dem Ort, sondern auch viele an Leib und Seele verwundete Soldaten.

Schwester Patrona war aber ebenso für all die anderen Kranken zur Stelle, die zuhause gepflegt wurden. Gleich ob arm oder reich, Tag für Tag und oft auch Nacht für Nacht war sie, selbst bei Wind, Wetter und Frost mit ihrem Rad in der Markgemeinde unterwegs, um liegende Patienten zu versorgen.

Doch nicht genug: ihr lagen Alle, die sie brauchten, am Herzen. Und das waren ebenso die im Krieg im Ausland rekrutierten Zwangsarbeiter, die in vielen Betrieben und Bauernhöfen arbeiten mussten. Obwohl ihr theoretisch dafür die Todesstrafe drohte, versorgte sie diese ebenfalls fraglos. Mehrmals ließ sie diese zudem „bei Nacht und Nebel“ in umliegende Krankenhäuser bringen, um deren Leben zu retten.

Auch nach dem Krieg und dem Ende des Nationalsozialismus blieb das Kloster ein Hilfskrankenhaus. An die 800 Flüchtlinge aus Schlesien und dem Sudentenland kamen nach Hahnbach und die Schwestern kümmerten sich besonders um die vielen Kranken und Ausgemergelten.

Doch dann durften die Schwestern und auch Schwester Patrona endlich wieder unterrichten. Sie und drei weitere Schwestern des Hahnbacher Klosters waren sofort als dringend benötigte Lehrerinnen zur Stelle. Dazu war Schwester Patrona 15 Jahre lang sogar Oberin im Kloster und gleichzeitig Schulleiterin der örtlichen Max-Prechtl-Schule.

Für ihre Verdienste zeichnete sie Bürgermeister Herbert Falk am 24. Juli 1978 mit der vom Gemeinderat einstimmig beschlossenen silbernen Bürgermedaille des Marktes Hahnbach aus

Doch 1998 wurde das Kloster nach 156 Jahren segensreichem Wirken aufgelöst. Die Schwestern waren alt geworden und brauchten nun selbst Pflege und Fürsorge. Wie die meisten Schwestern ging auch Schwester Patrona nach Dorfen-Maria ins Altersheim der Armen Schulschwestern. Mit 88 Jahren starb sie dort noch im gleichen Jahr, am 30. August 1998. Zu ihrer Beerdigung fuhr ein vollbesetzter Bus dankbarer Hahnbacher und noch weitere Privatautos nach Oberbayern.