BMW kollidiert mit Wasserbüffel - Unfall ging glimpflich aus, wirft aber eine Reihe Fragen auf
Anfang 2024 haben die ersten Wasserbüffel in den weitläufigen Flussauen im Norden der Marktgemeinde Hahnbach Einzug gehalten

Seitdem freuen sich Spaziergänger und Radler, wenn sie das Glück haben, diese massigen, gehörnten Urgeschöpfe zu sehen.
Ganz anders erging es einem BMW-Fahrer aus dem Landkreis, der von Süß nach Hahnbach unterwegs war
Urplötzlich stand ein Wasserbüffel vor ihm auf der Fahrbahn, er konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen, sein Auto erfasste das Tier.

Die gute Nachricht: der 50-jährige und auch der Wasserbüffel blieben unverletzt.
Die schlechte Nachricht: Eine Erklärung für den Ausbruch der Tieres aus dem gesicherten Gelände ist bisher noch nicht gefunden.
Johannes Weiss, Spengler und Dachdeckermeister in Kümmersbuch, ist der Besitzer der Wasserbüffel
Man sieht ihm an, wie er grübelt und sich sorgt seit diesem Unfall. „Ich bin schließlich verantwortlich, es darf so etwas nicht passieren“ klagt er im Gespräch mit Oberpfalz-Medien.
Er war im Urlaub in Berchtesgaden, als der Anruf kam, ist umgehend heimgefahren. „Da war die Wasserbüffelkuh schon wieder im umzäunten Gelände, der PKW abgeschleppt, der Fahrer glücklicherweise ziemlich gelassen“.
Offen allerdings ist die Frage, wie es zu dem „Ausflug“ der Kuh kommen konnte
Johannes Weiss und sein Vater Hans Weiß könnten sich vorstellen, dass der starke Regen dieses Tages die Stromleitung des Elektrozaunes beschädigt hat.
Als wahrscheinlicher erscheint ihnen, dass „Weißschöppel“ den Namen hat Johannes Ehefrau Katharina der Wasserbüffelkuh gegeben, aufnahmebereit war und auf der Suche nach einem Bullen. Dass sie ihr neugeborenes Kalb dazu im hohen Gras hat liegen lassen, ist für Weiss nicht ungewöhnlich.
„Sie wäre zurückgekommen, Rehwild macht das genauso“, erklärt er das Verhalten seiner liebsten Kuh. Wie auch in diesem Fall wurden „abgelegte“ Kälber mittels einer Drohne schon des öfteren wieder gefunden.„Sie ist die freundlichste von allen''“, beschreibt er „Weißschöppel“, „hört auf mein Pfeifen, kommt her, lässt sich streicheln, kümmert sich um ihr Kalb“.
Der Dachdeckermeister hat aufgrund seiner Tierhaltung einen landwirtschaftlichen Betrieb angemeldet, mit der Versicherung dürfte es keine Probleme geben. Wie die Polizei verfahren wird ist noch offen. Laut Tobias Plößl, Erster Polizeihauptkommissar und Leiter der Polizeiinspektion Sulzbach-Rosenberg, laufen die Ermittlungen. Es sei noch nicht entschieden, ob Anzeige erstattet und die Staatsanwaltschaft eingeschaltet wird.
Die anfangs acht Wasserbüffel sind heute auf eine Herde von 16 Tieren angewachsen, darunter ein Zuchtbulle und vier Kühe
„Recht viel mehr sollen es nicht mehr werden“, sagt Johannes. Im Oktober werden zwei Wasserbüffel geschlachtet und am Hof direkt vermarktet. Das Fleisch der Tiere sei eine gesunde Alternative zum herkömmlichen Rindfleisch und werde demnächst im Wirtshaus am Frohnberg auf der Speisekarte stehen..
Futter zumindest im Sommer braucht Weiss für seine Tiere nicht. Wasserbüffel sind genügsame Pflanzenfresser, sie ernähren sich von dem, was wächst in den Vilsauen, betreiben dadurch Landschaftspflege, ohne den Boden tief zu beschädigen.
In dem sumpfigen Areal zwischen Hahnbach und Süß graben sie Mulden in die stark verbuschten Auen, in deren Wasser sie sich suhlen und damit auch Hitzetage überstehen.
„Friedliche, unproblematische Urgeschöpfe“ nennt Johannes Weiss seine Wasserbüffel. Jeden Tag einmal besucht er sie in den Vilsauen, schaut, ob es ihnen auch gut geht.
Entstanden ist das Projekt aus einer „Schnapsidee“
Ein Weiher in dem sieben Hektar großem Areal war mit Rohrkolben zugewachsen, laut Google der Nahrung von Elchen und Wasserbüffeln.
Mit Händen oder Geräten war da nichts zu machen, Elche kamen nicht in Frage, also wurden über einen Zuchtverband Wasserbüffel aus Mecklenburg nach Hahnbach umgesiedelt.
„Sie machen ihre Arbeit gut“, stellt Johannes Weiß fest, der Wildwuchs in den Auen ist wesentlich kleiner geworden“.Außerdem machen die sanften Riesen Werbung für die Gemeinde Hahnbach, werden vermarktet mit Fotos in Socken und Shirts.
Wenn es kalt wird - Ende Oktober bis Anfang Dezember - kommen die Wasserbüffel ins Winterquartier, sprich in den Wald, wo sie auch da noch Nahrung finden und mit Heu gefüttert werden.
Johannes Weiss und seine Frau lieben ihre Wasserbüffel
„Wenn ich pfeife, sagt er, kommen sie alle angerannt, warten auf ein paar Mitbringsel wie Äpfel, lassen sich streicheln“.
Er hofft, dass die Geschichte um „Weißschöppel“ einigermaßen gut ausgeht und und wird alles tun, um weitere Vorfälle dieser Art zu verhindern. Wenn er, wie des öfteren, mit seiner Katharina eine abendliche Brotzeit in den Vilsauen macht und dabei seine Wasserbüffel beobachten kann, dann sind alle Widrigkeiten weit weg und die Welt ist wieder in Ordnung.
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