Vilseck-Schlicht: Bäckerei Flierl noch heute ein Begriff - Geschichte eines Familienunternehmens
Die fleißigen Geschäftsleute Hans und Olga Flierl in den 1990er Jahren

Das Bäckerhandwerk wird seit Menschengedenken ausgeübt. Auch heute haben Bäckereien einen hohen Stellenwert und sind im Alltag unverzichtbar. Leider gibt es hierzulande immer weniger selbstständige Bäcker, dafür umso mehr fabrikähnliche Produktionsbetriebe.
Viele Bäckereien mussten aus Alters- oder Krankheitsgründen schließen, so auch die Bäckerei Flierl in Schlicht. Blicken wir nun in die Geschichte dieses Familienunternehmens mit drei Bäckergenerationen zurück
Lange gibt es sie schon, die Bäckerei Flierl in Schlicht, in der jetzigen Amberger Straße. Dort übte schon im 19. Jahrhundert der Bäckermeister Johann Flierl (1877-1950) seinen Beruf aus und schaffte selbständig in seiner kleinen Backstube. Sohn Xaver, der 1909 zur Welt kam, erlernte von seinem Vater das Bäckerhandwerk und übernahm die elterliche Bäckerei.
Dieses alte Bild entstand um 1914. Eines der Kinder ist Xaver Flierl, geb. 1909, der von seinem Vater Johann (unter der Haustüre stehend) später das Bäckerhandwerk erlernte

Xaver verehelichte sich Anfang der 1930er Jahre mit Maria Stadler (1909-1991) aus Vilseck, die seine Backwaren im kleinen Laden verkaufte und ihm vier Kinder schenkte.
Xaver und Maria Flierl feierten 1981 ihre Goldene Hochzeit. Dazu gratulierte auch Bürgermeister Rudolf Merkl

Xaver Flierl war Bäckermeister und Konditor mit Leib und Seele. 1969 baute er seinen Betrieb zu einem der modernsten im ganzen Landkreis aus. Die Bäckereigenossenschaft Amberg (Bäko) veranstaltete daraufhin dort mit etwa 100 Teilnehmern eine Backvorführung und Gebäckschau.
Dank neuer Teigzusammensetzungen und Backmethoden stellten die Teilnehmer in zwei Tagen mit neuen Maschinen und Öfen 50 verschiedene Brotsorten her, so war es in der Amberger Zeitung zu lesen. 1980 wurde Bäckermeister Flierl mit dem Goldenen Meisterbrief der Bäckerinnung geehrt.
Neben seiner Arbeit pflegte der Xare, wie er meist genannt wurde, auch die Geselligkeit. Gerne rauchte er beim Kartenspiel genüsslich seine Zigarre. Er war Mitglied im Männergesangverein Schlicht, bei der Werkvolkkapelle und im Fußballverein Vilseck.
Glücklich waren die Eheleute, als Sohn Hans, der 1933 geboren wurde, in die Fußstapfen des Vaters trat. Doch bereits mit zwölf Jahren verlor der Bub bei einem Unfall mit einer Kreissäge die linke Hand. Trotzdem erlernte er den Beruf des Bäckers, um einmal das elterliche Geschäft übernehmen zu können. Die fehlende Hand stellte bei der Ausübung des Berufs jedoch nie ein Problem für ihn dar.
Ein glücklicher Zufall wollte es, dass Hans 1960 beim Bäckerball in Amberg eine Bäckereifachverkäuferin kennenlernte. Es war die damals 20-jährige Olga Ament, die bei der Bäckerei Kredler in Vilseck im Verkauf beschäftigt war. Mit drei Jahren hatte Olga schon ihre Mutter verloren. Sie wuchs deshalb bei ihren Großeltern Anna und Georg Engelhardt in Kittenberg auf. Später baute sich Familie Engelhardt ein kleines Häuschen in Vilseck am Altmühlweg.
1962 heirateten Hans und Olga und freuten sich bald über ihre beiden Kinder Stefan und Claudia. In Regensburg bestand Hans 1964 seine Prüfung als Bäcker- und Konditormeister mit „sehr gut“. 1973 übernahm er dann die elterliche Bäckerei und beschäftigte Lehrlinge und Gesellen.
Olga war neben dem Haushalt für den Laden und die Verkäuferinnen zuständig. Sie fuhr mit ihrem VW-Bus auch das Brot aus. Man belieferte im Laufe der Zeit immer mehr Geschäfte, sowie auch die Clubs im Südlager.
In der Herrengasse entstand im Zeder-Stadler-Haus eine Flierl-Filiale, die von Tante Anna Häusler geführt wurde. Erwähnt seien noch die beiden Maulbeck-Bäckereien, sowie Stadler, Schönl, Zmyj und Weiß, Sorghof, bei denen es ebenfalls Flierlbrot zu kaufen gab.
Die Bäckerei Flierl in der Amberger Straße in Schlicht vor dem großen Umbau 1977

1977 wurde das Haus in Schlicht rückseitig erweitert und die Backstube modernisiert. Für die hervorragende Qualität von vier seiner Brotsorten (Sovital-Brot, Kornlaib, Fränkisches Bauernbrot und Roggenmischbrot) wurde Hans Flierl 1985 mit Goldmedaillen der Fördergemeinschaft des Deutschen Bäckerhandwerks ausgezeichnet.
Wegen fortschreitender Diabetes musste der Firmenchef die Bäckertätigkeit schließlich schweren Herzens an den Nagel hängen. Obwohl Sohn Stefan ebenfalls Bäcker gelernt hatte, konnte er wegen einer Mehlallergie-Erkrankung den Betrieb nicht übernehmen. Das war für die Eltern ein schwerer Schicksalsschlag und bedeutete das Ende einer langen Tradition.
Das Geschäft wurde dann für einige Zeit an den Amberger Bäcker Scheler verpachtet.
1990 verkaufte man das Anwesen an Bäckermeister Karli Kredler, der aufgrund seiner Ladenerweiterung in Vilseck den Backbetrieb nach Schlicht verlagerte. Familie Flierl fand in der Schlichter Vils-Siedlung ein neues Zuhause. 2003 verstarb Hans Flierl mit 70 Jahren.
Bereits 2006 verstarb auch Karli Kredler, und so kam allmählich das Ende des Bäckerhauses Flierl. Die Kredler-Erben veräußerten das Gebäude schließlich an einen Privatmann aus Nürnberg.
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