Vilseck: Eschenwecker – in Vilseck ein Begriff - Vier Generationen Viehhändler

Geschrieben von rha am .

Anton Eschenwecker, Großviehhändler in Vilseck

Wenn man den Namen Eschenwecker hört, weiß in Vilseck jeder, wer gemeint ist. Seit mehr als vier Generationen ist Eschenwecker ein Begriff, um nicht zu sagen, ein Markenzeichen. Der Beruf des Viehhändlers spielt dabei eine ganz große Rolle, denn damit fing alles an.

Viehhändler Anton Eschenwecker

Blicken wir mal in die Vergangenheit zurück. 1877 wurde in Vilseck Anton Eschenwecker geboren, der den Beruf des Großviehhändlers ausübte. Er war also mit dem Kauf und Verkauf von Vieh beschäftigt und besaß ein umfangreiches Wissen über die Tiere, über deren Gewicht und Zustand bezüglich Krankheiten und Verletzungen.

Als Viehhändler besuchte er die Bauern auf ihren Höfen, schaute sich Kühe und Kälber an und verhandelte über die Preise. Da ging es oft lebhaft und lautstark zu. Wenn man handelseins wurde, bekräftigte man das Geschäft mit einem festen Handschlag. Danach trieb man das Vieh zum Bahnhof, wo es verladen und entweder nach Nürnberg oder Chemnitz transportiert wurde.

Am nächsten Tag fuhr Anton Eschenwecker ebenfalls mit dem Zug zum Großviehmarkt nach Nürnberg, um die Rinder in der Markthalle zu verkaufen. Zwei Prozent des Ertrags gingen bei der Abrechnung an die Vieh-Agentur. Auch handelte Eschenwecker mit Nutzvieh, das von einem Bauern zum andern kam.

Anton Eschenwecker heiratete 1901 Therese Russ (1879-1958), die ihm acht Kinder schenkte

Babette (Merkl, Schlicht), Katharina (Klosterschwester Damaszena), Franz (Vilseck), Hans (Kulmbach), Maria (Frank, Schlicht), Theresia (Schneider, Hemau), Anton (Regensburg) und Agnes (Mayer, Regensburg). Die Kinder erwarteten ihn nach seinen Geschäftsreisen immer schon sehnsüchtig, denn in seinem Koffer hatte er oft Dinge, die es in Vilseck nicht gab, z.B. Orangen oder Bananen.

Anton Eschenwecker war ein sehr engagierter Mann. Er war im Stadtrat und Kirchenrat, kümmerte sich um die Schule und die Friedhofsverwaltung und war Vorstand des Gesangvereins. Deshalb war er abends oft unterwegs zu Sitzungen und Versammlungen. Meist kam er dann spät nach Hause. Seine Frau, der das nicht gefiel, konnte nicht einschlafen, wenn er nicht daheim war und lauschte im Bett auf sein Kommen.

Eine lustige Episode wird heute noch erzählt: Bevor Anton die Haustür in der Klostergasse aufschloss, rief er laut: „Gute Nacht, Herr Stadtpfarrer!“ Nun konnte seine Theres nicht schimpfen, da ja vermeintlich auch der Herr Pfarrer, der gegenüber im Pfarrhof wohnte, bei den Spätheimkehrern war.

Im Jahre 1937 ereilte die Familie ein großer Schicksalsschlag. Anton Eschenwecker verlor bei einem Unfall am unbeschrankten Vilsecker Bahnübergang sein Leben

Das kam so: In Vilseck fuhren täglich zwei Züge; einer am Morgen, einer am Abend. Am 9. Juli 1937 war Anton vormittags mit seinem Leichtmotorrad ins Südlager gefahren, um dort als Vorstand der Molkereigenossenschaft Preisverhandlungen zu führen. Und just an diesem Tag fuhr von Nürnberg eine außerplanmäßige Lokomotive nach Vilseck. Diese erfasste den Mann, als er auf dem Heimweg den Bahnübergang am Bäumlberg überqueren wollte. Anton Eschenwecker war sofort tot. Er wurde nur 60 Jahre alt.

Viehhändler Franz Eschenwecker sen.

Nach dem frühen Tod von Vater Anton musste sein ältester Sohn Franz den Viehhandel übernehmen. Zum besseren Verständnis bezeichnen wir ihn hier als Senior. Franz sen., der 1904 zur Welt gekommen war, trat nun mit 33 Jahren in die Fußstapfen seines Vaters.

Die Rinder kamen zunächst, wie es schon der Vater gehandhabt hatte, zum Großviehmarkt nach Nürnberg. Nach dem Krieg schaffte sich Franz einen Lastwagen samt Anhänger an und fuhr im Umkreis von etwa fünfzehn Kilometern zu den Bauernaufs Land.

Treu an seiner Seite war sein Gehilfe Josef Apfelbacher aus Ebersbach, der Gebertn-Sepp. Die beiden waren ein unzertrennliches Gespann. Während sich der Chef noch mit den Bauersleuten unterhielt, lud der Sepp schon das Vieh auf. Auch war er immer in den Wirtshäusern mit dabei, wo nach erfolgreichem Handel noch eingekehrt wurde.

1935 hatte Franz Eschenwecker seine Frau Maria, geb. Eigen, (1907-1992) geheiratet 

Familie Franz und Maria Eschenwecker um 1945 mit ihren Söhnen (v.l.) Franz, Hermann und Anton. Sohn Paul kam erst 1948 zur Welt

Nach und nach kamen vier Söhne zur Welt: Anton, Franz, Hermann und Paul.

Zur Familie gehörte auch eine Landwirtschaft. Hier waren die Stallmagd Gerda und der Knecht Gustav beschäftigt. Um Kinder und Haushalt kümmerte sich neben der Mutter auch eine Kindsmagd.

Sonntags nach dem Kirchgang kamen die Bauern ins Haus, um ihr Geld im Büro abzuholen

Meist kamen sie alle auf einmal, um zu sehen, wieviel andere für ihr Vieh erhielten. Neid, Missgunst und unflätige Worte waren da nicht selten an der Tagesordnung.

Schließlich begann man, auf dem eigenen Grundstück neben dem Schnellweiher in einer kleinen Garage selbst zu schlachten

Dort gab es auch einen Stall, wo die Kühe zwischenzeitlich untergebracht werden konnten. Weiß Hanse, der ab und zu auch beim Viehhandel dabei war, wurde als Metzger angestellt.

Das erste Schlachthaus, indem wöchentlich ein bis zwei Kühe geschlachtet werden konnten, baute man 1953. Das Fleisch wurde viertelweise an kleinere Metzgereien verkauft, und das Geschäft lief sehr gut.

Franz Eschenwecker sen. war einige Zeit stellvertretender Bürgermeister von Vilseck und 25 Jahre Vorsitzender des Liederkranzes

Auch im Kirchenchor und bei der Kolpingsfamilie war er aktiv. 1989 verstarb er im Alter von 85 Jahren. 1974 hatte er den Betrieb an seinen Sohn Franz übergeben.

Wie es mit den Eschenwecker-Viehhändlern weiterging, ist in der nächsten Turmblick-Ausgabe zu lesen.