Vilseck: Der Backofen am Grob’m Brotbacken früher

Geschrieben von rha am .

Hier der Backofen in der Froschau beim Tormeier-Anwesen (Weiß). Davor steht der Nachbarsbub Hans Pröls als Sechsjähriger an der Milchsammelstelle beim Spitalgarten

Das Brotbacken war schon immer ein großes Thema. Brot war und ist das älteste und wichtigste Nahrungsmittel der Menschheit. Auch heute backen fleißige Hausfrauen ihr Brot zuhause selber. Früher gab es in vielen Ortschaften gemauerte Backöfen, so auch in Vilseck.

Einer davon stand in der Froschau beim Bauernhof Weiß (Tormeier), einer in Axtheid beim früheren Gemeindehaus und ein weiterer in der Grabenstraße, schräg gegenüber der einstigen Brauerei Hammer. Über letzteren wird hier berichtet.
Bis zu Beginn der 1950er Jahre wurde dort von den Haushalten aus der Vorstadt und der Grabenstraße alle 6 - 8 Wochen Brot gebacken. Inge Lindner, Jahrgang 1938, hat das selbst noch miterlebt. Sie erzählt, wie so ein Backtag während des 2. Weltkriegs ablief.

 

Am Backofen in der Grabenstraße befand sich ein hölzernes Doppeltor. Im Innern des etwa 1,5 m langen Raums gab es links und rechts breite, gemauerte Simse zum Abstellen. Hinten war eine Mauer mit einer doppelten, oben gerundeten Eisentüre, dahinter über die ganze Breite befand sich der eigentliche Backofen. Eine Einschieß-Schüssel (Brotschieber) mit langem Stiel gehörte zum Inventar.

Wer backen wollte, holte sich tags zuvor den Schlüssel beim Ertl-Soler, jetzt Friedrich, in der Vorstadt und bezahlte dort auch das Benutzungsentgelt. Ich denke, dass es etwa fünf RM und später drei DM waren.

Die Familie Barth mit Familie Mock und Lindner gehörte zu den fleißigen Benutzern des Backofens. Wir wohnten etwa 30 Meter davon entfernt.
Meine Großmutter, Magdalena Barth, schlichtete am Vortag schon die Holzscheitln in den Backofen. Ich wurde mit meiner Nachbarsfreundin Nettl Anne (Hänsch) und einer blechernen Schüssel, bedeckt mit einem Geschirrtuch, zum Bäcker Maulbeck in die Breite Gasse geschickt, um das Doagerl (Sauerteig) zu holen. Unser riesiger Backtrog musste vom Hausboden heruntergetragen und auf zwei Stützen in der guten Stube vor dem Kachelofen aufgestellt werden. Dort setzte Großmutter abends den Teig mit Roggenmehl, Salz, Gewürzen, Wasser und dem Sauerteig an. Der Kachelofen wurde angeheizt, damit der Teig über Nacht gehen konnte.
In den frühen Morgenstunden standen Großmutter und ihre Töchter Babett Mock und Mare Lindner bereits vor dem Trog und kneteten kräftig. Ich meine, dass nochmals eine weitere Gehphase und ein nochmaliges Kneten folgten.
Inzwischen wurde das Holz im Backofen angezündet. Zuhause auf der Tischplatte drehte man die Laibe. Die etwa 20 Stück kamen in geflochtene Backschüsseln und wurden auf der Oberseite mit einer Gabel eingestochen. Dann brachten wir sie mit dem Zöichwagerl zum Backofen, wo Großmutter bereits die Glut zur Seite geräumt hatte.
Die Weihwasserflasche und einige Gerstenähren durften nicht fehlen. Letztere kamen zuerst in den Ofen. Wenn die Granen schön braun wurden, war die richtige Temperatur erreicht. Noch ein großer Sprutz Weihwasser und einige Kreuzzeichen, und das Einschießen konnte beginnen. Außer den Brotlaiben buk Großmutter am Schluss auch noch flache Brotkuchen. Einige waren mit Zwiebelscheiben belegt und andere mit Zucker bestreut.
Als das Brot und die Brotkuchen nach etwa einer Stunde fertig gebacken waren, wurden sie mit der Einschieß-Schüssel aus dem Ofen geholt und wieder in die geflochtenen Strohkörbchen gelegt. Und schon standen sie da, die „Grob‘mer Kiner“, nicht wenige. Jedes trug eine Backschüssel mit dem duftenden, knusprigen Brot ins Haus Nr. 164 und stellten sie auf Bank oder Tisch in der Stube ab. Dafür gab es für jedes Kind a schöins Trumm zuckertn Brotkoucher.
Die Laibe zu je zweieinhalb Pfund kamen dann in die große Brotkiste im ersten Stock des Hauses. Großmutter war heilfroh, wenn der Backtag vorüber und das Brot mit Gottes Segen gut gelungen war. Unser Holzofen-Bauernbrot war eine wahre Köstlichkeit. Bis zur nächsten Backaktion wurde es allerdings am Ende ganz schöi olbachern (altbacken), wenn es von der achtköpfigen Familie nicht rechtzeitig aufgegessen worden war.“
Inge Lindner erinnert sich noch gut, dass ihre Tante Kathl aus Sulzbach noch in den 1970er Jahren dankbar von dem guten Brot sprach, das ihr die Barth-Mutter in der schlechten Zeit geschenkt hatte.
Der Backofen am Graben wurde in den 1950er Jahren abgerissen. Sepp Gutmann (Schwank) errichtete dort eine Autogarage.
Zum Foto „Backofen Grabenstraße“: Der alte Backofen in der Grabenstraße beim Anwesen Gutmann. Im Hintergrund die Brauerei Hammer, rechts die ehemalige Schreinerei Koller und ein Teil der Schlosserei Stadler.
Zum Foto „Backschüsseln“: .