Wer kann weiterhelfen??? - Foto oder mindestens eine Zeichnung des ehemaligen Wirtshauses des „Feldbauers“ in den Faatzen
Scharf geschossen wird noch immer hinterm Frohnberg bei Hahnbach, doch schon auf dem Gebiet von Sulzbach. Aber anders als in alten Zeiten, wie den verschiedenen Erbfolgekriegen, kommen auch dort schon lange keine Menschen mehr zu Schaden
Franz Erras am Schießstand in den "Fatzen"

Doch auch Hahnbachs Heimatpflegerin Marianne Moosburger sucht noch nach Bildern des einstigen Wirtshauses in den Fatzen. Wer kann da helfen?
Gemeint ist der so genannte „Kugelfang“ in der Faatzen oder auch Fatzen geschrieben, zwischen der Hahnbacher Wallfahrtkirche auf dem Frohnberg und dem Sulzbacher Waldfriedhof hinterm Annaberg
Dieser ist auch dafür verantwortlich, dass in den Faatzen immer wieder eine Feuerpause eingelegt werden muss, nämlich dann, wenn dort eine Beerdigung stattfindet. Deshalb müssen sich die Benutzer und allen voran Franz Erras, der auch eine der „Schlüsselgewalten“ für das Areal hat, jedes Mal beim Friedhofswärter erkundigen, falls jemand den Schießstand benutzen will.
Doch erstmal ganz von vorn
Es soll in den Jahren um 1930 gewesen sein, als man dort, auf dem Grund der Stadt Sulzbach, massive Wände hochzog und zwei 100 Meter lange Bahnen für Schießstände des Militärs aushob. Eine der beiden ursprünglichen Bahnen ist mittlerweile zugewachsen. Doch auf der zweiten, der nördlichen Bahn findet man einen Unterstand, in dem wartende Schießprätendenten und Begleitungen sich aufhalten müssen und dürfen.
Genaue detaillierte Benutzerordnungen informieren ausführlich über den rechten Gebrauch der Anlage und verbieten zudem bleifreie Munition, da diese einmal „irgendwo in Deutschland“ zersplittert sei und dadurch seinen Besitzer getötet hat. „Seitdem verwenden wir nur noch bleihaltige Munition“, so Erras, „denn diese kann nicht bersten.“
Die verbrauchte Munition fällt nach dem Schuss in einen Sandbunker, der regelmäßig ausgetauscht wird, die Hülsen nimmt ein jeder mit nach Hause, um sie korrekt zu entsorgen. Im eigentlichen Schießstand dürfen sich maximal drei Personen aufhalten, über die genau Buch geführt wird und die für zwei Waffen und unbegrenzte Schuss Munition auch jedes Mal 3 Euro Gebühr für die Unkosten bezahlen müssen.
Beim Schießen, so Franz Erras, verwandeln sich mittlerweile viele in „Mickey-Mäuse“, sprich sie setzen einen Gehörschutz auf, oder benutzen Schalldämpfer. Für Letztere brauche man zudem eine eigene Betriebserlaubnis, erklärt er sachkundig, und auch, dass diese nur einen minimalen Kraftverlust bewirken.
Der Kreisverband des Bayrischen Jagdverbands, kurz BJV, Amberg-Sulzbach hat das Gelände gepachtet und nutzt es für die Schießausbildung der Jagdscheinanwärter und für Übungen. Auch die Bereitschaftspolizei findet sich regelmäßig dort zu Übungszwecken ein, erfährt man.
Zwar sei ein Bunker vor Ort vorhanden, doch nach mehreren Diebstählen bringen alle Benutzer seit längerer Zeit ein fahrbares Stromaggregat mit. Auch schützt seit 2013 ein sicherer Zaun das Gelände, da es ansonsten nicht für das Prüfungsschießen der Jäger zugelassen worden wäre. Doch auch diese Zeiten sind schon wieder vorbei, vermerkt der passionierte Jäger nicht ohne Wehmut.
Halten sich dort die beiden Kreisgruppen zu Schießübungen auf, kennzeichnen sie dies zusätzlich mit zwei roten Fahnen und eigenen Warntafeln mit „Achtung Schießbetrieb“ an den beiden Ecken zum langen Waldweg hin, der die Waldgebiete von Hahnbach, Kötzersricht, Iber und Sulzbach trennt.
Pistolenschussanlage, Bunker und ein Wirtshaus im Wald

Ganz in der Nähe gibt es aber noch mehr „Sagenumwobenes“. Da sind einmal die verwilderten Hügel und Gräben einer Pistolenschussanlage, die als solche nicht mehr zu identifizieren ist. Auch die nahen Bunker für Munition des Militärs sind im Wald aufgegangen.
Um 1970 hatte man neben den Schießbahnen sogar eine fast fertige Schießanlage zum Tontaubenschießen angelegt, erzählt Erras, die jedoch „kurz vor knapp“, sprich kurz vor Inbetriebnahme, von den Behörden, wohl wegen des Lärms, abgelehnt wurde und so nie zum Einsatz kam.
Deutlich bessere Erinnerungen an die Faatzen haben aber nicht wenige Hahnbacher noch immer wegen des einstigen Wirtshauses des „Feldbauers“, eines Flurwächters, das ebenfalls gleich in der Nähe lag und in den 70iger Jahren abgerissen wurde
Heute erinnert nichts mehr an die dort verbrachten Nächte von Jugendlichen und Erwachsenen. Die Hauptattraktion jenes urigen Wirtshauses seien die drei hübschen Mädchen des Fluarers gewesen: Traudl, Liselotte und Monika. „Für jedes Alter eine“, schmunzelt Franz Erras, wenn er von jenen Ausflügen um 1965 herum mit den Mopeds und nicht selten noch in später Nacht erzählt.
Denn „wenn überall schon Sperrstunde war, dort war meistens noch immer offen“. Da gab es tatsächlich einen Saal und eine Küche, doch alles ohne Gas- oder Stromanschluss. Bei Kerzenlicht saß man dann oft lange gemütlich beisammen und sicher wird dabei nicht nur manches Jägerlatein kommuniziert worden sein. Auch die beiden Söhne des Feldbauern, Hans und Werner könnten sicher noch Einiges aus jener Zeit erzählen.
Konrad Huber (*19.10.1944) erinnert sich noch, dass sich nicht nur ein guter Teil seines „Halbstarkenleben“ zwischen zwei Polen abgespielt hat ...
... nämlich dem Linglwirt vom Ölhof mit den besten „Gockerln mit Soß“ im Norden und dem Feldbauern-Wirtshaus mit den hübschen Mädchen, in den Faazen, im Süden. Mit ihren Mopeds und einem Sozius hintendrauf sei man zum Essen zum Öl und zu später Stunde regelmäßig zum Fluarer „gebrettert“.
Irmgard Graf, Tochter der Wirtsleute Maria und Konrad Huber vom Frohnberg, erinnert sich noch gut an eine „Hochzeit mit Tränen“
Ein Hahnbacher Ehepaar feierte sein Hochzeitsmahl auf dem Frohnberg. Wie oft üblich, wurde im Laufe des Festes auch „die Braut verzogen“. Mit einer kleineren Truppe verschleppte man die Frisch-Verheiratete ins nahe Feldbauern-Wirtshaus.
Der Bräutigam bekam dann bald einen „unterstützten Suchauftrag“, der ihn zu seiner Braut führen sollte. Dorthin hatte er den Brautstrauß zu bringen und seine Frisch-Angetraute durch das Bezahlen der meist nicht geringen Zeche auszulösen.
Aber nein! Jener Dickkopf verweigerte standhaft jede Suche und Bezahlung. Als man dies der Braut mitteilte, verlor diese die ersten Tränen in der noch so jungen Ehe. Nach einiger Zeit kehrten sie und die Ausreißer schließlich „recht verschnupft“ zurück ins Frohnberger Wirtshaus. Und die Ehe? Sie hielt trotz allem ein Leben lang!
Ältere Sulzbach-Rosenberger erinnern sich noch daran, dass das Wirtshaus Ausflugsziel bei Schulwandertagen war ...
... Über die Pause dort, manche Spiele und eine „Limo“ habe man sich zu jener Zeit sehr gefreut, erzählen sie.
Nun, die Familie Feldbauer zog um 1970 weg und der damalige Bürgermeister Michael Göth überließ nach Verhandlungen mit der Familie Münch das circa 20 mal 40 Meter große Terrain der Reit- und Fahrvereinigung Sulzbach-Rosenberg
Diese planierte das Gelände, zäunte es ein und hielt dort Unterrichts- und Trainingsstunden ab. Doch dort im Wald und bei teils sumpfigem Gelände stürzten sich viel zu oft Pferdebremsen besonders danach auf Pferd und Reiter. So suchte man ein neues Areal, das sich am Annaberg fand.
In den Faatzen übte man nur noch Geländesprünge und die Kutschenfahrten.
Leider haben Nachforschungen noch zu keinem rechten Ergebnis geführt. Sehr interessiert wäre man natürlich an einem Foto oder mindestens an einer Zeichnung des ehemaligen Wirtshauses
Ein Riesendank wäre jedem sicher, der hier helfen und sich bei Hahnbach Heimatpflegerin Marianne Moosburgere oder Martin Franitza vom Rosenbladl melden sollte.
Ziemlich unbekannte Bäche
Franz Erras, der am 2. Mai 1963 bereits seinen Jagdschein gemacht hat, war in jenem Gebiet über 40 Jahre, von 1980 bis 2023, zusammen mit Bruder und Neffen Jagdpächter. Verständlicherweise kennt er sich dort aus „wie in seiner Westentasche“.
Beim Ortstermin verweist er auch auf einen schon fast versiegenden Bach, den Peterranzenbach, den ein gewöhnlicher Wanderer kaum noch bemerkt. Bei Kötzersricht mündet dieser schließlich in die Vils, speist davor aber noch immer, unterstützt von weiteren Quellen, einige verpachtete Weiher, in denen Karpfen und bisweilen sogar Forellen gezüchtet wurden und werden.
Nun hat Florian Weiß, sein Kümmersbucher Jagdkollege, das Revier übernommen. Dem über 80 Jahre alten Franz Erras ist das aber ganz recht, denn er darf dort weiterhin auf die Pirsch gehen und Heger sein.
Lausbubenkämpfe
Mit den Faatzen verbinden auch manche Lausbuben noch lebhafte Erinnerungen. So erzählt der Hahnbacher Franz Kotz, Hausname „Dullermichel“, aus seiner Vorschulzeit, als er als Jüngster mit seiner „Bande vom untern Markt“ mit dem Edi, dem Richard und dem Gerri in den Faatzen war. Dort buddelten sie nach Geschossen und Patronen, die von einem Zentimeter bis zu längeren spitzen Hülsen reichten.
Sehr wohl hätten sie gewusst, erklärt er, dass das nicht erlaubt war, auch warnten die Eltern regelmäßig, aber es war halt „Abenteuer pur“! Natürlich seien sie recht vorsichtig und „immer auf der Lauer“ gewesen, da jederzeit Patrouillen der Polizei auftauchen konnten.
Zu Hause wurden dann die Geschosse erhitzt, bis das Blei flüssig wurde. Dies verwendeten sie dann für Pfeilspitzen bei „echten Kämpfen“ zum Beispiel gegen die aus „Korea“, sprich den Buben von der anderen Seite der Vils. Zu diesen Kämpfen mit Pfeil und Bogen und Holzschwertern verabredete man sich auf der Mühlwiese.
Dabei konnten die jeweiligen Banden aus bis zu 15 „Kämpfern“ bestehen, erzählt der „Dullermichel“, und auch kleinere Verwundungen kamen sehr wohl vor. Er erinnert sich auch noch immer gut an „einen Satz blaue Finger“, die ihm ein Schlag mit einem Holzschwert damals einbrachte.
Woher die Anlage?
In „Eisenerz und Morgenglanz“, schreibt Achim Fuchs unter anderem über Übungsplätze, dass etwa bei der Wiedererrichtung der Sulzbacher Garnison 1850 „die gleichzeitige Anlegung eines Exerzierplatzes unumgänglich“ war.
Erst pachtete man eine Wiese bei Krottenhof, während die Schießübungen zuerst in der Nähe des Judenfriedhof und seit 1856 bei Sternstein abgehalten wurden. Die Provisorien zeigten aber im Kriegsfall beim preußisch-österreichischen Krieg und gegen Frankreich „überdeutlich die unzulängliche Ausbildung der bayrischen Truppen“. Daraufhin forderte man eine Vergrößerung des Exerzierplatzes „in der Heide“ erst um sieben, dann bis auf 160 Tagwerk.
„Damals wurde bereits unterschieden zwischen dem Großen Exerzierplatz (mit Schießplatz) und dem neuen Kleinen Exerzierplatz am Schelmesgraben.“ „Die Einführung des Militärgewehrs M 88 veranlasste (sogar) das Straßen- und Flußbauamt Amberg … die Staatsstraße Amberg-Hahnbach auf einer größeren Strecke“ zu sperren“. Die sei „außer an den Amberger Markt- und Schrannentagen angesichts des geringen Verkehrs unproblematisch“ gewesen.
Nun gab es aber für einen großen Exerzierplatz eine Normgröße von 37,5 Hektar. „Daher war eine erneute Erweiterung, diesmal nach Westen in die kleinen Fatzen nötig“. Nach Aufhebung der Garnison 1920 fielen die Exerzierplätze wieder an die Stadt Sulzbach als Eigentümer zurück. Doch nach der Wiederherstellung der Garnison wurden die 30,61 Hektar der neuen Wehrmacht zur Verfügung gestellt und durch Anpachten durch die Stadt auf 45 Hektar erweitert.
So gehört das Areal weiter den Sulzbachern, doch darf es der BJV Amberg-Sulzbach und weitere Interessenten gegen geringe Gebühr nutzen.
Woher der Name Fatzen?
Der Historiker Dr. Weiss-Cemus kann darauf hinweisen, dass die Flurbezeichnung „Faatzen“ schon früh belegt ist: 1326 sind „Vatzen“ in Amt Rosenberg genannt und 1343 wird ein Besitz bei Oberndorf „an der Fezzen“ verkauft. 1351 wiederum werden der Sulzbacher Kirchenverwaltung Zinsen und ein Zehent „in der Vetzen“ vermacht.
1472 und auch öfter noch findet man dann „Oberndorff an der Vetzen in der Herrschaft Sulzbach gelegen“. 1797 ist von einem Forstlehen an der „Fatzen“ die Rede. Der Flurname bedeutet wohl Torfrasen oder -boden, (Sumpf)Ried, eigentlich wohl Riedrasen (nach Historisches Ortsnamenbuch Sulzbach Nr. 45).
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