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Vilseck: Spediteur Johann Höser

Ein wichtiger Mann für Vilseck war vor vielen Jahren Spediteur Johann Höser aus der Breiten Gasse. Er sorgte mit seinem Pferdefuhrwerk dafür, dass Güter aller Art an die richtigen Adressen kamen. Jahrzehnte fuhr er, wie schon sein Vater, nach Amberg und holte dort alles, was die Geschäftswelt in Vilseck und Umgebung benötigte. Autos waren damals noch Mangelware. Deshalb mussten richtige Pferdestärken herhalten.

Jeden Tag, bei Wind und Wetter, ob im Sommer oder Winter, war Johann Höser mit seinem Fuhrwerk unterwegs. Mittwochs und samstags spannte er schon zeitig sein Pferd an den Wagen, ließ es oft noch vorher bei Mayerhofer neu beschlagen, und machte sich um 6 Uhr auf den Weg zu den Großhändlern nach Amberg. Die Leute gaben ihm ihre Bestellungen per Brief mit.

Bei Ankunft um die Mittagszeit stellte er sein Gefährt auf dem Amberger Marktplatz ab und hängte dem Pferd ein Futterbarrl um. Derweil trug er die Kuverts zu den Händlern, (Berzl, Eisen-Schmidt, Kallmünzer usw.) die alles herrichteten. Die Sachen holte er dann nach einer gewissen Zeit ab und machte sich mit den Eisenwaren, Handwerker-Zubehör, Rohöl, Zement, Lebensmitteln, Medikamenten und weiteren Gegenständen auf den Heimweg.

In Hahnbach gab es für den Gaul nochmal Futter und Wasser. Erst wenn alles bei den Empfängern in der Umgebung abgeladen war, konnte Herr Höser Feierabend machen. Da war es dann oft schon 19 oder 20 Uhr und im Winter längst finster.

„Sogar für die Sparkasse musste der Spediteur manchmal Münzgeld mitbringen. Alles was nicht mit der Post zugestellt werden konnte, brachte der Höser Hans“, erzählte sein Sohn.

Im Winter waren die Fahrten besonders beschwerlich. Es kam auch vor, dass das Pferd bei Glatteis die Steigung am Kreuzberg nicht bewältigen konnte. Da musste eben ein Teil der Waren abgeladen und später weitertransportiert werden.

Das ging bis Mitte der 1960er Jahre so. Dann wurde der Warentransport größtenteils auf die Schienen verlegt, und so kamen die Güter zum Vilsecker Bahnhof. Mit der Bundesbahn schloss Herr Höser nun einen Vertrag ab und verpflichtete sich zum täglichen Abtransport. Ein guter Kunde war die Firma RINO, die Höser fast täglich mit Zubehör belieferte. Auch fertige Maschinen brachte er zum Bahnhof.

Außerdem sammelte er die Milchkannen von den Milchbankeln der Vilsecker Bauern ein und fuhr sie zur Milchzentrale bei Grau in die Schlossgasse und später zur Molkerei Barth. Auch lieferte er die bestellte Schulmilch in kleinen Glasflaschen täglich zum Schulhaus. Selbst Umzugsaktionen und städtische Aufträge führte der Spediteur durch.

Man kann mit Fug und Recht sagen, dass der Höser Hans immer gut beschäftigt war, aber reich konnte man davon nicht werden.

Neben der Landwirtschaft betrieb die Familie Höser noch bis in die 1990er Jahre auch einen Handel mit Gas- und Sauerstoffflaschen zum Schweißen.

In der Chronik der Stadt Vilseck heißt es schließlich: „Mit Ablauf des Monats Mai 1970 stellt der Bahnhof Vilseck die Stückgut-Abfertigung ein. Für Spediteur Hans Höser und sein Einspänner-Fuhrwerk bedeutet dies Feierabend. Fuhrmann und Pferd verschwinden aus dem Stadtbild; es wird um ein liebenswürdiges Stück Romantik ärmer“.

Johann Höser starb 1987 kurz vor seinem 87. Geburtstag im Amberger Krankenhaus.

Spediteur Johann Höser im Jahr 1972 vor seinem Anwesen in der Breiten Gasse. Schwiegertochter Anna hilft beim Anspannen. Enkel Richard steht interessiert dabei

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