Vilseck: Prozessionsstangen - Eine Besonderheit in der Pfarrei Vilseck
Der Kunsthistoriker Dr. Daniel Rimsl berichtet in der Filmreihe „Schmuckstücke im Bistum Regensburg“ über die Prozessionsstangen in der Vilsecker Pfarrkirche

Auf der Suche nach Besonderheiten in den Kirchen des Bistums Regensburg wurde Kunsthistoriker Dr. Daniel Rimsl auch in der Pfarrei Vilseck fündig. Was er dort vorfand, veröffentliche er nun auch in einem Film.
Als Leiter der Fachstelle Inventarisierung der Abteilung „Kunst und Denkmalpflege des Bistums Regensburg“, ist Daniel Rimsl ein wahrer Kenner vieler religiöser Kunstobjekte. Die traditionsreichen Schmuckstücke, die er in der Stadtpfarrkirche St. Ägidius entdeckte, sind 20 Prozessionsstangen, auch Zunftstangen genannt. Es handelt sich um 10 Stangenpaare, die größtenteils aus dem 18. Jahrhundert stammen; ein Paar davon stammt sogar aus dem frühen 16. Jahrhundert.
Die Vilsecker Zunftstangen gehören zu den besonderen Schmuckstücken des Bistums Regensburg. Sie sind in der Stadtpfarrkirche St. Ägidius bis Oktober zu sehen

Wozu Prozessionsstangen?
Sie entstanden nach dem 30-jährigen Krieg, als sich die Gesellschaft mit wiedererlangtem Selbstbewusstsein neu ordnete
Um sich am Fronleichnamstag aus der Gruppe der Gläubigen herauszuheben, schafften sich Bruderschaften (geistliche Gemeinschaften) und Zünfte (örtliche Zusammenschlüsse der einzelnen Handwerke) solche Prozessionsstangen an.
Wichtig war ihnen dabei, ihren Stand nach außen präsent werden zu lassen. So war es auch in Vilseck. Bis 1955 standen die Zunftstangen nachweislich noch an den Wangen der Vilsecker Kirchenbänke.
Danach führten sie in der Pfarrei Vilseck lange Jahre ein Schattendasein. Man hatte sie als altmodisch und unpassend empfunden und schließlich als profan und störend aus dem Gotteshaus entfernt.
Erst nach dem Kirchenbrand in Vilseck 2013 schenkte man im Zuge der Schadenserfassung den Zunftstangen als Teil der historischen Kirchenausstattung wieder Aufmerksamkeit.
Wie ging es danach mit den Prozessionsstangen weiter?
Nach der Bestands-Katalogisierung in der Restaurationswerkstatt Landskron in Regenburg wurden die Stangen vom Vergolder- und Fassmalermeister Marold Niedersteiner in Biburg/Ndb. restauriert. Die Wiederherstellung des Urzustandes erforderte unter anderem ein teilweises Nachschnitzen von Fingern, Händen und Locken.
Auch waren alte Fassungen abzunehmen und das Kerzenwachs der Jahrzehnte abzuschmelzen. Nach dieser Restaurierung rückten Gästeführerin Dorothee Schulze Zumhülsen und der ehemalige Kirchenpfleger Thomas Pröls 2023 diese Zunftstangen wieder ins Licht der Öffentlichkeit.
Was ist das Besondere an den Vilsecker Zunftstangen?
Es handelt sich um Kerzen- und Leuchterstangen. Erstere zeigen verschiedene Heiligenfiguren, wie den hl. Josef, Johannes den Täufer, Rochus, Katharina und Florian.
An den Konsolen zweier Leuchterstangen aus der Spätgotik sind jeweils drei geflügelte Engelsköpfe zu sehen, die Wappenschilde halten.
An anderen Stangen befinden sich die Zunftzeichen der Bäcker, Schneider, Zimmerleute, Müller und Schuhmacher.
Aus konservatorischen Gründen werden die wertvollen Stangen bei der Fronleichnamsprozession nicht mehr mitgeführt. Sie sind jedoch bis Oktober in der Stadtpfarrkirche Vilseck zur Besichtigung aufgestellt.
Dr. Daniel Rimsl bescheinigt der Pfarrei einen großen kunsthistorischen Schatz.
Sein sehenswerter YouTube-Film ist im Internet unter „Schmuckstücke im Bistum Regensburg mit Dr. Daniel Rimsl - Die Prozessionsstangen in Vilseck - Die Stangerlsitzer Heiligen“ zu finden.
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