Vilseck: Serie über die Vilsecker Rathäuser – Teil 2: Das zweite Vilsecker Rathaus von 1553 - 1864

Peter Mallmann zeichnete dieses Bild vom zweiten Vilsecker Rathaus 1963 für die Schulzeitung der Knabenschule Vilseck

Im Juni-Turmblick ging es um das erste Vilsecker Rathaus. Diese Serie über die Vilsecker Rathäuser setzen wir heute fort. Dafür fasst Rosi Hasenstab einen Text von Hans Nettl, 7. Schülerjahrgang, zusammen, den er 1963 für die Schulzeitung der Knabenschule Vilseck geschrieben hat.

Nachdem 1552 ein Großbrand das erste Vilsecker Rathaus komplett zerstört hatte, wurde an gleicher Stelle mitten auf dem Marktplatz ein neues, ganz massives, dreigeschossiges Rathaus gebaut. Es hatte eine Durchfahrt mit zwei Toren, einen Staffelgiebel und einen mächtigen Dachstuhl mit einem hölzernen Türmchen, indem die Rathausglocke untergebracht war.

Auf dem Dachboden wurde eine Uhr eingebaut. An den beiden Giebeln prangten schön bemalte Uhrschilder, die den Bürgern die genaue Zeit anzeigten, was für das 16. Jahrhundert eine großartige technische Leistung war. Und die Vilsecker waren mit Recht stolz auf ihr neues Rathaus.

Links der Durchfahrt lag das Magistratszimmer mit Blick auf den Vogelturm, außerdem die Stadtknechtswohnung und das Arrestlokal, das im Volksmund Kumpes genannt wurde. Rechts der Durchfahrt befanden sich die Fleischbänke und der Brotladen sowie ein Aufbewahrungsraum für die Feuerlöschmaschinen.

Im ersten Stock war der große Ratssaal mit Nebenzimmern, die der Öffentlichkeit für Feste und Feiern zur Verfügung standen. Der hintere Teil blieb Flez und hatte keine Glasfenster.

1818 bildete sich unter den angesehensten Bürgern eine Theatergesellschaft, die durch den Schreiner Frey auf dem Flez ein kleines Volkstheater auf eigene Kosten bauen ließ und dort viermal jährlich Lust- und Trauerspiele aufführte.

Weil das Geld fehlte, konnte man den zweiten Stock nicht ausbauen. Der Dachboden wurde nur notdürftig gebrettert. Am 5. Juni 1592 bereits hatte der Blitz in das hohe Gebäude eingeschlagen, zum Glück jedoch ohne zu zünden.

1802 kam die Stadt Vilseck, die seit 1012 zum Bistum Bamberg gehörte, an das Land Bayern. Damit wurden ihr auch alle Behörden mit Ausnahme des Forstamts genommen. 1808 verlor der Stadtrat auch noch die niedere Gerichtsbarkeit, die er seit 1380 mit dem bischöflichen Pfleger ausgeübt hatte. Somit mussten alle rechtlichen Angelegenheiten beim Landgericht oder Rentamt in Amberg erledigt werden, was viel Zeitverlust und große Unkosten verursachte.

1819 fuhr deshalb eine Abordnung aus Vilseck nach München, um ein eigenes Landgericht zu erhalten. Man bot sogar das Rathaus als Gerichtsgebäude an und verpflichte sich, es auf eigene Kosten umzubauen. Aber erst nach 19 Jahren und vielen weiteren Bemühungen wurde dieser Wunsch 1838 von König Ludig I. erfüllt.

Also begannen die Vilsecker 1838 mit dem Um- und Ausbau ihres Rathauses. Fleischbänke, Stadtknechtswohnung und Durchfahrt verschwanden. Die Feuerlöschmaschinen wurden im oberen Torhäuschen nahe des Kleber-Anwesens untergebracht. Neu hinzu kamen Stallung, Waschhaus, Holzlege und Abstellräume für den Landrichter. Nur das Magistratszimmer vorne links blieb erhalten.

Der erste Stock erhielt drei Amtszimmer und je ein Zimmer für die Gerichtsregistratur und Kasse. Der zweite Stock wurde nun ebenfalls ausgebaut und diente als Wohnung für den Landrichter. Diese bestand aus fünf Zimmern mit Küche und Nebenräumen. Die jährliche Miete betrug 90 Gulden.

Der gesamte Umbau verschlang 7121 Gulden, wobei der Staat 1000 Gulden Zuschuss gab. Die Gewerbetreibenden brachten 2029 Gulden als freiwillige Spenden auf. Den Rest von 4092 Gulden trug die Stadt, die zur Deckung der Schulden den Gemeindewald im Dachsbau und in der Roßschütt verkaufte.

Am 5. November 1838 zog als erster Landrichter Herr Christl mit dem Assessor Hiltner, dem Funktionär Bauer, dem Gerichtsarzt Dr. Gierl und dem Gerichtsdiener Neumeier ein.

Das Vilsecker Rathaus war nun also auch Gerichtsgebäude.

1858 wurde der Brunnen mit laufendem Wasser an die hintere linke Seite des Rathauses versetzt, wobei das Legen gußeiserner Rohre 1000 Gulden kostete.

Diese Darstellung des Marktplatzes um 1850 zeigt eindrucksvoll, dass die Vilsecker auf ihr Rathaus zu Recht stolz sein konnten

Und wieder kam es in Vilseck zu einem verheerenden Großbrand. Am 23. August 1864 brach um 22.30 Uhr im Hintergebäude des Fischers Joseph Pröls Feuer aus. Es griff so schnell um sich, dass bereits innerhalb von zwei Stunden die ganze rechte Seite des Marktplatzes und der Breiten Gasse, sowie die linke Seite der Kirchgasse bis hinauf zu Dippelgasse in hellen Flammen standen.

Vom Forstgebäude, das sehr hoch war, flogen die Funken hinüber auf das hölzerne Türmchen des Rathauses, das langsam zu brennen anfing. Weil aber der Dachboden nur notdürftig gebrettert war, konnte man nicht nahe genug an den Brandherd herankommen. So fraß sich das Feuer immer weiter und erfasste schließlich den ganzen Dachstuhl. Zwei Tage lang stand das mächtige Gebäude in Flammen, und die Vilsecker mussten tatenlos zusehen, wie ihr schönes, stolzes Rathaus, die Zierde der Stadt, vollkommen ausbrannte.

Das Gebäude war nur mit 4000 Gulden versichert. Was sollte man tun? Der Stadtsäckel war leer. Schweren Herzens entschlossen sich die Bürger, die Brandstätte dem Staat zu schenken.

Wie es mit dem Rathaus weiterging, erfahren die Leser in der nächsten Turmblick-Ausgabe und auf unseren Seiten.

Serie über die Vilsecker Rathäuser - Das erste Vilsecker Rathaus von 1380 - 1522

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