Vilseck: Alte Vilsecker Geschäfte (Fortsetzung)

Josef und Magdalena Kraus (rechts) mit ihrem Sohn Heinrich, dem Vater von Marieluise Willax, vor dem Ladeneingang ihres Hauses in der Mühlstraße

Heute wollen wir in unserer Serie drei Geschäfte in der einstigen Mühlstraße, jetzt Bahnhofstraße, in Erinnerung bringen.

Im Haus Nummer 17 gab es über 60 Jahre lang das Geschäft der Familie Kraus

Der einstige Stadtmüller Josef Kraus (1860-1942) errichtete den Laden um 1908, nachdem er vier Jahre vorher Sägewerk und Mühle an der Vils an Josef Riß verkaufen musste. Seine Frau Magdalena, (1867-1935) betrieb mit Tochter Theresia (1896-1974) den kleinen Gemischtwarenladen.

Die Kundschaft kam überwiegend aus der Nachbarschaft und aus Langenbruck, Heringnohe, Altneuhaus und Grünwald. Samstagabend musste bereits der Zucker, der in Form von Zuckerhüten geliefert wurde, zerstoßen werden, denn sonntags kamen die „Auswärtigen“ in den Laden. Sie stellten vor dem Kirchgang schon ihre Rucksäcke beim Kraus ein. Nach der Messe wurde dann eingekauft und zur Stärkung für den Heimweg ein Schnapserl getrunken.

Obwohl es das Wort Nachhaltigkeit damals noch gar nicht gab, hat man damals bereits Nachhaltigkeit praktiziert.

Plastikverpackung war ein Fremdwort, denn bei Kraus gab es die meisten Lebensmittel offen. Salz-und Bratheringe, Sauerkraut und Marmelade wurden aus großen Blechdosen in die mitgebrachten Töpfe und Schüsseln gegeben. Auch die leeren Dosen und Eimer waren begehrt. Die bekam man nämlich, wenn sie ausgedient hatten, umsonst, und man konnte sie als Behälter für alles Mögliche verwenden.

Niemand kaufte damals etwas auf Vorrat. Jeder nahm nur das mit, was er gerade zum Leben brauchte, z. B. ein Viertelpfund Gries oder 100 Gramm Fett. Und wer nicht zahlen konnte, ließ halt bei der Theres anschreiben.

Einen geregelten Feierabend gab es für die Familie Kraus nicht. Es verging kaum kein Tag, an dem nicht spät abends noch an der Haustüre geklopft und etwas verlangt wurde, was gerade fehlte oder zur Neige gegangen war.

In den Kriegsjahren gab es Lebensmittel wie Zucker, Mehl, Fett usw. sowieso nur auf Marken. Theresia Kraus klebte dann am Sonntag alle vorhandenen Marken mit Mehlpappe auf Kartons auf und erhielt dafür beim Bezugsamt in Amberg wieder die dem Gegenwert entsprechende Ration zum Verkauf.

Der Laden Kraus führte als einziges Geschäft in Vilseck auch eine Zeit lang Seefische. Da standen die Leute auf der Straße Schlange, um dieses rare Produkt zu erwerben. Auch Futtermittel und Petroleum konnte man beim Stadtmüller-Kraus kaufen.

Eine kleine Geschichte ist noch überliefert und soll zum Schmunzeln anregen. Zwei Kundinnen wurden einst im Laden belauscht, als sie an einem Freitag Schinkenkäse kaufen wollten und sich wegen Einhaltung des Freitagsgebots Gedanken machten. Ob man den Käse wegen des Schinkens trotzdem freitags essen dürfe? Nun ja, es sei ja nicht viel Schinken drin, meinte die eine. Die andere aber fürchtete sich doch vor einer Sünde und verzichtete schweren Herzens auf den verlockenden Genuss.

1967 übernahm Marieluise Willax, geb. Kraus, das Geschäft und unterstützte ihre Tante Theres im Laden und bei der Schreibarbeit. Mit Einführung der Rabattmarken lohnte sich das Geschäft jedoch nicht mehr. Es wurde 1971 geschlossen.

Kiosk Josef Kederer

Im Nachbarhaus, heute Bahnhofstraße 15, wohnte Josef Kederer, der mit seiner Familie von einer kleinen Landwirtschaft lebte. Tochter Anni und Schwiegersohn Gottfried Würfl errichteten nach ihrer Hochzeit 1946 neben dem Wohnhaus einen Kiosk.

In dem hölzernen Verkaufshäuschen bot Josef Kederer Gemüse aus dem eigenen Anbau von Gottfried Würfl an. Obst wurde zugekauft, und Südfrüchte holte man vom Großhandel in Amberg und Nürnberg.

Auch als die jetzige Gärtnerei Würfl in den 1950er Jahren in Betrieb genommen wurde, saß Opa Kederer noch täglich von früh bis spät in seinem kleinen Häuschen und verkaufte Obst und Gemüse.

Enkel Willi, der jetzige Gärtnereibesitzer, erinnert sich noch gerne an diese Zeiten. „Wir Kinder fühlten uns im Kiosk immer sehr wohl. Unser Opa war ein gütiger Mann und hatte für uns stets ein offenes Ohr. Nach der Schule half er bei den Hausaufgaben, fragte das Einmaleins ab und die Überlege-Aufgaben in Religion. Wenn wir Hunger hatten, durften wir uns eine Banane nehmen.

Im Winter heizte er den kleinen Ofen an, der eine wohlige Wärme verbreitete.“ Willi verschweigt auch nicht, dass es von dem Übriggebliebenen fast jeden Abend Obstsalat gab und dass den Kindern im Sommer die nicht verkauften Erdbeeren allmählich zum Hals heraushingen.

1970 verstarb Josef Kederer im Alter von 77 Jahren. Der Kiosk wurde abgerissen und verkauft.

Danach richtete sich Familie Würfl im Erdgeschoss ihres angrenzenden Wohnhauses einen Laden ein. Der Obst- und Gemüseverkauf wurde schließlich eingestellt, und das Blumengeschäft trat in den Vordergrund.

Hier das ursprüngliche Kederer-Haus in der Mühlstraße. Es wurde Ende der 1930er Jahre aufgestockt. Seit 1970 befindet sich darin der Blumenladen der Familie Würfl

Schuhgeschäft Heinrich Fuchs

In der Mühlstraße, jetzt Bahnhofstraße Nr. 11, gab es die Schusterei von Heinrich Fuchs mit dem Hausnamen Fuchsn-Schouster

Zwei Häuser weiter befand sich das Schuhgeschäft von Heinrich Fuchs. Schon kurz vor dem 1. Weltkrieg hatte Heinrich Fuchs (1884-1978) dieses kleine Geschäft eröffnet. Er verdiente sich sein Brot hauptsächlich mit der Maßanfertigung und dem Reparieren von Schuhen.

Da sein Sohn Heiner (1910-1944), der Schuhmacher gelernt hatte und die Schusterei übernehmen sollte, nicht mehr aus Russland zurückkehrte, verblieb das Geschäft bei Heinrich Fuchs. Schwiegersohn Kaspar Deinzer (1911-1978) musste schließlich einspringen. Er erlernte nun nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft 1947 bei seinem Schwiegervater das Schuhmacherhandwerk und führte das Gewerbe weiter.

Doch von den Einnahmen aus Schuh-Reparaturen und der kleinen Landwirtschaft konnte er seine fünfköpfige Familie nicht ernähren. Die Schusterei und der Laden wurden geschlossen. Kaspar Deinzer arbeitete danach als Schuster bei der Standortverwaltung Amberg.

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