Alt werden Zuhause

21.09.2010 | Schlicht: „Demenz - wie geht es weiter?“

"Demenz - wie geht es weiter?“ lautete die brisante Frage, der sich die Diplom-Psychogerontologin Heidi Sinularia aus Neukirchen Hl. Blut widmete, die auf Einladung des Frauenbunds Schlicht zu einem hoch interessanten Informationsabend im Rahmen der ersten AOVE- Demenzwochen in das dortige Pfarrheim gekommen war. Rund 50 Interessenten zeigten durch ihr Kommen, wie brisant die Thematik ist.

Nach der Begrüßung durch die Frauenbundvorsitzende Monika Krieger, stellte sich die Referentin Heidi Sinularia als Diplom-Psychogerontologin vor. Sie hätte nach ihren Aussagen vor ihrem viersemestrigem Studium der Psychogerontologie eine Lehre zur Altenpflegerin absolviert und weiter Fortbildungen zur Lehrkraft für Pflegeberufe besucht.

Nach ihrem Studium hätte sie die erlernte Theorie als Pflegedienstleiterin in einem Altenheim in die Praxis umsetzten können. Nun fungiere sie als Dozentin an der VHS Cham.

Jeder sollte sich möglichst gut auf das Alter vorbereiten

Die demographische Entwicklung stelle jeden Menschen vor die Aufgabe, sich möglichst gut auf das Alter vorzubereiten“, machte Heidi Sinularia eingangs ihrer Ausführungen bewusst. Sie betonte: „Demenz ist eine mögliche Form menschlichen Lebens, die der Akzeptanz und Gestaltung nicht der ‚Bekämpfung’ bedarf, denn Demenz heißt ohne Vergangenheit und Zukunft zu leben“.

Sie erläuterte die Definition von „Demenz“ und machte klar, dass diese Krankheit einerseits ein hirnorganischer Abbau mit Nachlassen des Gedächtnisses sei und zu fortschreitendem Versagen geistiger Kräfte, des Denkens und des Verstehens führe, aber auch zu Veränderungen im sozialen Bereich, der Persönlichkeit, des Charakters und des Verhaltens.

Laut Sinularia gebe es 50 Demenzformen, dessen häufigste Form Alzheimer sei. Als Symptome nannte die Referentin Gedächtnis- Sprach- und Orientierungsstörungen wie Veränderung von Stimmung und Verhalten und den Verlust der Alltagsfunktionen. Stoffelwechselstörungen, Bildung von Plaques wie der Untergang von Nervenzellen und Nervenzellkontrakten seien laut Sinularia die medizinischen Ursachen von Demenz.

Sie wies aber auch darauf hin, dass Neurologie und Psychologie, Gehirn und Geist, untrennbar verbunden seien und dass alle Interaktionen des Menschen ein Gegenstück auf der psychischen Seite hätten.

Die Diplom Psychogerontologin sieht die unmittelbaren Ursachen der Krankheit im Mangel eines gut funktionierenden Schaltkreisgefüges, mit dessen Hilfe eine Person die jeweiligen Ereignisse des Lebens verarbeitet. Sie sprach vom „herausfordernden Verhalten“ des Dementen, das außerhalb der Norm liege und besonders sein Umfeld fordere.

Heidi Sinularia erläuterte die vier Stufen der Entwicklung des „herausfordernden Verhalten“ mit dem hirnorganischem Abbau, den kognitiven und dann den emotionalen Folgen wie den Lösungsversuchen.

Nachdem sie auf das Thema „Vergessen“ genauer eingegangen war, widmete sie sich den Verhaltensweisen, die das Personsein von Menschen mit Demenz untergraben würden, zu denen beispielsweise, das Entmächtigen, Infantilisieren, Einschüchtern, Stigmatisieren, Verbannen, Ignorieren und Herabsetzen zähle.

Verhaltensweisen, die das Personsein von Menschen mit Demenz födern

Nachdem sie die Bedürfnisse der Dementen erläutert hatte, ging sie auf Verhaltensweisen ein, die das Personsein von Menschen mit Demenz fördern würden. Anerkennen, Verhandeln, mit ihnen zusammenarbeiten und spontan mitspielen, Entspannen und sie dabei in den Arm nehmen, über Kommunikation Wertschätzung vermitteln, bei Handlungen helfen und schöpferisch sein beim Tanzen, Malen usw. , lauteten ihre Empfehlungen.

Nach der Erklärung der Diagnosemöglichkeiten von Demenz ging die Referentin auf die Frage nach dem Schutz vor der bis dato unheilbaren Krankheit ein. Ihr Rat lautete: Aktivsein, soziale Einbindung schaffen und eine positiven Lebenseinstellung aneignen.

Die Dozentin des Vortrages „Demenz - wie geht es weiter?“ in Schlicht, Diplom-Psychogerontologin Heidi Sinularia aus Neukirchen Hl. Blut rechts mit der Frauenbund-Vorsitzenden Monika Krieger

  • Aufrufe: 3095
AWZ-HAHNBACH