Geschichte prall und firrend - Dr. Josef Weiß-Cemus präsentiert sein „Quellen- und Geschichtenbuch“ zur Erstnennung von Hahnbach vor 900 Jahren

Nach sieben Jahren Arbeit präsentierte der gebürtige Dürnsrichter Dr. Josef Weiß-Cemus (Bildmitte) dem Hahnbacher Bürgermeister Bernhard Lindner und der Heimatpflegerin Marianne Moosburger sein „Quellen- und Geschichtenbuch“ zur Erstnennung von Hahnbach vor 900 Jahren

Das gebundene Buch ist das in jeder Hinsicht gewichtige Ergebnis von Jahrzehnte langem Forschen des promovierten Historikers in Archiven und Bibliotheken.

Das Buch ist ab Montag, 8. November, im Rathaus in Hahnbach erhältlich.

  • Preis: 65 €
  • Umfang: 976 Seiten mit vielen farbigen und s/w Fotos und Belegen.

Josef Weiß-Cemus
Markt Hahnbach
Einwohner und Häuser (19. - 12. Jahrhundert)
Eine Quellenedition (zum 900. Jahrestag der Erstnennung)
Cardamina Verlag Koblenz, 2021

Man findet darin ein unerschöpfliches Reservoir von Schicksalen, Dramen, prall gefülltes Leben und sicher auch Zuneigung, Empathie und Liebe. Originale Quellenausschnitte, historische Schlaglichter mit beispielhaften Ereignissen aus dem Markt lassen Geschichte lebendig werden.

Dr. Weiß-Cemus sieht seine Chronik als Nachlagewerk, als Pool oder Puzzle zum selbstständigen Zusammensetzen, aber auch als Anregung, selber Spuren zu suchen.

Hilfreich und übersichtlich sind auch das elfseitige Glossar mit Erklärungen zu Fachausdrücken und das weiterführende Literaturverzeichnis.

Einwohnerlisten, Steuerlisten, Musterungslisten, Huldigungslisten, Schadenslisten, das alles betrifft Menschen, einfache Menschen, deren Namen und Existenz sonst keinen Niederschlag in den Akten fanden.

Es fehlt auch nicht an Anekdoten, plastischen Schilderungen über das Leben der damaligen Bürger und Inwohner (Mietleute) im Markt, deren Konflikte untereinander und mit der Obrigkeit.

Schicksale der Menschen werden so deutlich und lebendig wie zum Beispiel als die Fleischhacker untereinander stritten und wie konkret ihre Arbeit und ihre Probleme mit der Versorgung der Bevölkerung mit frischen Fleisch aussahen. Oder ihr Streit mit den Fleischbeschauern und dem abschließenden Vergleich.

Da tauchen aus der Geschichte tragische Schicksale auf, wie ein schlimmer Streit mit Nachkommen oder den der brauenden Bürger.

Immer wichtig war für den Markt auch die Brücke über die Vils, auf der sich u. a. heftigste Schlägereien abspielten. Auch „unbotmäßiges Verhalten“, die Probleme des Gerichtsdieners und sogar ein handfester Politkrimi mit hohen Bestechungssummen ist geboten.

Viele Originalunterschriften entdeckt man in bester Druckqualität und eine ausgiebige Beschreibung der Fluren um den Frohnberg und den Markt.

Schwer zu entziffernde Rott- und Musterungsregister zu Beginn des 17. Jahrhundert, auch für umliegende Vogteiorte, hat der Historiker transkribiert und bietet so bestens aufbereitete Vorlagen nicht nur für Familienforscher.

Auch historische Kuriositäten wie die Verhaftung des Bürgermeistersohns 1637 wegen Gelddiebstahls oder als 1639 der Bürgermeister Martin Gleich Opfer eines Überfalls von Soldaten wurde.

Interessant ist die Quellendedition für alle Hahnbacher, die Interesse an ihrer persönlichen Geschichte und/oder der Vergangenheit ihres Hauses und Hofes haben.

Aber auch für ehemalige Hahnbacher, die sich für ihr Herkommen und das Schicksal ihrer Vorfahren interessieren. Natürlich auch für alle, die Interesse an der näheren und weiteren Heimat- und Regionalgeschichte haben und alle, die heimatgeschichtlich oder wissenschaftlich über die Region Amberg arbeiten, zum Beispiel wegen der nun gut lesbaren Steuer-, Musterung- oder Gilt- / sprich Steuerlisten.

Fragen an Dr. Weiß-Cemus

Die Chronik beginnt im 19. Jahrhundert und führt dann ‚rückwärts‘ zur Erstnennung. Das ist doch etwas ungewöhnlich, warum wurde diese Vorgehensweise gewählt?

Man könnte ja auch ‚vorwärts‘ sagen: ich wollte den Leser langsam, Schritt für Schritt, sich der Vergangenheit, dem Datum mit der Erstnennung annähern lassen.

Was ist denn besonders erwähnenswert:

Eigentlich alles: jeder wird etwas finden, was ihn interessiert, nicht nur die Ahnenforscher, sondern jeder, der an der Marktgeschichte interessiert ist. Denn man findet dort viele bisher gänzlich unbekannte Ereignisse aus der Vergangenheit.

Welches Themenspektrum umfasst das schwere Werk?

Die Themen sind unterschiedlichster Art. Es geht um das früher so wichtige Brauwesen im Markt, Streit um die Jagd, Abgaben an die Pfarrkirche St. Jakob und die Wallfahrtskirche auf dem Frohnberg, Auch Angaben zu jedem einzelnen Haus im Markt mit ihren Bewohnern, die ständige finanzielle Not in der Marktkasse und so vieles mehr.

Und die Schicksale im Dreißigjährigen Krieg?

Ja selbstverständlich, mit ausführlichen Geschichten wie die der Not des Pfarrers, die Brandschatzung durch Söldner, einen Überfall auf den Bürgermeister, Einquartierungen von Soldaten und manches mehr.

Für welche Leser ist diese Chronik gedacht?

Einmal für den „echten“ Einheimischen, also der, der hier geboren wurde und vielleicht über seine Eltern oder Großeltern mit örtlichen Flurnamen vertraut gemacht wurde, jener findet hier viele oftmals überraschende Hinweise.

Aber auch für grundsätzlich interessierte Laien und Wissenschaftler ist das Buch ein Fundus, nicht zuletzt wegen der Fußnoten mit allen Belegen für die Fundstellen.

Besonders interessant finde ich persönlich die Grenzbeschreibungen mit den vielen Flurnamen und farbigen Karten. Auch die ausführliche Beschreibung aller Häuser im alten Markt dürfte interessieren, was hoffentlich manche auch zum Weiterforschen anregt.

Welches Licht wirft das Buch auf die Hahnbacher?

Naja, die Untertanen Hahnbachs konnten durchaus aufmüpfig sein. So war man zwar formal demütig untertänig, konnte aber auch herzhaft und deutlich seine Interessen vertreten. Nicht selten war es aber auch die schiere Not, die zum Protest führte.

Hahnbach war ja mit der Oberpfalz fast hundert Jahre lutherisch-evangelisch. Was weiß man darüber?

Das ist ein besonders interessantes Kapitel, denn es sind von vielen Visitationen, was damals obrigkeitliche Kontrolle bedeutet, noch die Protokolle vorhanden. Beim Abfragen, das heißt Verhören, ob jemand dem neuen Glauben schon anhängig war, wurden direkt die Antworten mitgeschrieben und falsche, nicht korrekte Antworten vermerkt. So hat man fast über jeden Einwohner Anmerkungen, so nah kommt man den Menschen dieser Zeit selten. Das gilt auch für die Einwohner der umliegenden Dörfer.

Der Markt Hahnbach steht klar im Mittelpunkt und die umliegenden Dörfer?
Da Hahnbach auch Vogteimittelpunkt war, sind viele Menschen der umliegenden Dörfer in den Berichten, Listen, Streitigkeiten etc. genannt. Das gilt etwa für Süß, Kümmersbuch, Schalkenthan, Luppersricht, Irlbach, u. a. Die Namen dieser Menschen sind in der Quellenedition auch mit vermerkt, da es ja keine anderen Quellen über sie gibt.

Muss man die fast 1000 Seiten nacheinander lesen?

Oh Gott, nein, wirklich nicht! Man sollte das auswählen, wonach man gerade forscht, was einen interessiert oder wonach man momentan sucht. Dann kann man immer auch die in sich geschlossenen Geschichten und Ereignisse lesen, je nachdem in welche Zeit man gerade eintauchen will.

Man darf das Buch natürlich auch von hinten nach vorne lesen, wenn man gleich mit der Erstnennung von Hahnbach im Jahr 1121 beginnen möchte.

Aus der Einleitung

900 Jahre Ersterwähnung des Ortes Hahnbach. Wer möchte da nicht der Geschichte seiner Vorfahren oder dem Schicksal seines Hauses oder Hofes etwas genauer und verbindlicher nachgehen. Leider fehlt oft die Zeit und ringt man sich endlich dazu durch, so muss man schnell die bittere Erfahrung machen, dass dem Suchen und dem Lesen allein durch das Entziffern von fremden Schriftstücken doch enge Grenzen gesetzt sind.

Dem zumindest etwas Abhilfe zu verschaffen und eigenständiges Forschen zu ermöglichen, dazu möchte vorliegende Quellensammlung aus Originalakten des Marktes Hahnbach vom 19. bis 12. Jahrhundert beitragen.

Der Markt Hahnbach ist in der günstigen Lage, dass vor allem im Staatsarchiv Amberg, aber auch im Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München, eine Vielzahl von Archivalien zu finden sind, die noch nicht veröffentlicht wurden. Ebenso birgt das Marktarchiv Hahnbach selbst - allerdings erst ab dem 19. Jahrhundert - eine Vielzahl von Informationen und ermöglicht damit Kenntnisse über Geschehnisse und Schicksale der Menschen.

Flurkarte von 1773

Erste Kartierung des Marktes 1835

  • Aufrufe: 458
AWZ-HAHNBACH