Friedrich I. "Barbarossa" besuchte 1189 Hahnbach

Im Jahr 1122, also vor 900 Jahren, soll Friedrich I., den man wegen seines roten Bartes Barbarossa nannte, geboren worden sein

Ganz sicher ist zwar sein Geburtsjahr nicht, doch nachgewiesen ist, dass jener Kaiser des riesigen staufischen Reiches im Februar 1189 Hahnbach besucht und dort eine Urkunde ausgestellt hat. Dr. Josef Weiß-Cemus beschreibt ausführlich in seiner Quellendedition „Markt Hahnbach“ ab Seite 930 jenes große Ereignis, was der Besuch eines Kaisers ja auch sicher war.

Ein Jahr vor seinem Besuch, am 11. Mai 1188, gelobte Friedrich I. auf dem Reichstag in Mainz seine persönliche Teilnahme am dritten Kreuzzug nach Palästina. Die folgenden Monate danach galt es, diesen vorzubereiten und sein Reich zu sichern, welches er seinem Sohn Heinrich anvertraute.

Bevor er im Januar 1189 nach Hahnbach reiste, war er an Weihnachten 1188 in Eger und dann zu Verhandlungen in Nürnberg. Es ging damals um einen gesicherten Durchzug des Kreuzfahrerheeres und um Übereinkünfte mit den Gesandten des byzantinischen Kaisers, dem Sultan von Ikonium und dem Groß-Zupan von Serbien.

Im Anschluss daran zog er mit einem sicher zahlreichen Tross nach Hahnbach. Seinen Aufenthalt in Hahnbach beweist eine erhaltene Urkunde vom 17. Januar 1189, welche sich im Hauptstaatsarchiv in München befindet. Er bestätigte darin, was der Sulzbacher Graf Gebhard II. den Klosteruntertanen des Augustiner-Chorherrenstiftes Berchtesgaden von Triefenreuth bei Floß zugestanden hatte, nämlich im Wald bei der Burg Floß Brenn- und Bauholz für den Eigenbedarf zu schlagen.

Hahnbach war damals für die Sulzbacher Grafen ein bedeutender Verwaltungsmittelpunkt und die dortigen Dienstleute, wie die Ministerialen auf dem Frohnberg, „herausragende Gefolgsleute der Sulzbacher“, wie Dr. Josef Weiß-Cemus in Hahnbachs neuester Chronik schreibt.

Von Hahnbach zog Barbarossa weiter nach Ansbach, wo er am 15. Februar 1189 wieder urkundete. Im Mai war dann das Sammeln des Heeres bei Regensburg und entlang der Donau über den Balkan ging es nach Kleinasien. Dort ertrank er am 10. Juni 1190 im Fluss Saleph, nahe Seleucia in der heutigen Türkei.

Was waren die Gründe, dass der Kaiser seinen Weg über Hahnbach nahm? Am 28. Oktober 1188 war der mächtige Graf Gebhard II. von Sulzbach ohne männlichen Erben gestorben. Sein einziger Sohn war bereits 1167 bei einem Feldzug vor Mailand umgekommen. Friedrich I. Barbarossa wusste davon und sicherte sich wohl bereits 1174 in geheimen Verhandlungen mit dem Bischof von Bamberg das Lehen „von Amberg bis Bamberg“, also unserer Region.

Für Barbarossa war dies offensichtlich von übergeordneter Bedeutung. Er legte fest, dass nach Zuwendungen an den Bamberger Bischof seine beiden Söhne, König Heinrich und Herzog Friedrich, die Lehen des Sulzbacher Grafen erhalten sollten. Barbarossa verspricht zudem, die Vogtei nicht weiter zu verleihen, sondern Beamte einzusetzen.

Die Grafen von Sulzbach hatten bereits mit König Konrad, dem Vorgänger Barbarossas, gute Beziehungen zu den Staufern. Dies zeigte auch die Präsenz des Grafen Gebhard beim Machtantritt von Konrad im Jahr 1138 und seine Teilnahme 1139 am Feldzug gegen dessen Gegner, Heinrich den Stolzen. Gebhard war damals neben Herzog Leopold zudem der einzige bayrische Teilnehmer. Auch mehrere Besuche Gebhards am staufischen Königshof sind belegt. Die Einbindung in die Politik des Königs beweist auch die Verheiratung von Bertha-Irene, der Schwester Gebhards 1146 mit dem byzantinischen Kaisersohn Manuel.

Nach dem Tod Gebhards II. sah Barbarossa es als wichtig an, im „Zentrum des Sulzbacher Besitzes“, sprich in Hahnbach, aufzutreten. Er wollte damit ganz bewusst zeigen, dass er die Erfüllung des Vertrags von 1174 ernst nahm und er signalisierte dies damit auch dem Bamberger Bischof deutlich.

So waren also die Vogteien von Amberg und Vilseck staufisches Lehen geworden. Es gab darüber hinaus noch gräfliche Eigengüter, die den Ehemännern der Töchter Gebhardts II. zustanden. Sicher ist aber, dass Teile dieser Territorien um Vilseck und Hahnbach Barbarossa gehörten, sei es durch Ankauf oder durch Zurechnung zu den Vogteigütern Gebhards. Für Barbarossa jedenfalls war der Besitz unseres Gebiets eindeutig.

Nun starben aber die beiden Söhne Barbarossas schon früh. Der nächste Kaiser, Friedrich II., ebenfalls ein Hohenstaufer, konnte durch Belehnung mit dem Bamberger Truchsessamt in den Besitz jener Lehengüter um Vilseck und Hahnbach gelangen. Konradin, der letzte Staufer, verpfändete schließlich 1266 an den Wittelsbacher Herzog Ludwig dem Strengen die Güter im Nordgau und darunter auch Hahnbach.

Als also Kaiser Barbarossa 1189 „in Hahnbach urkundete, begann für die Oberpfalz eine Phase der staufischen Dominanz, die erst 1268 nach dem Tod des letzten Staufers Konradin endete.“ schreibt zusammenfassend Jürgen Dendorfer in „Die Grafen von Sulzbach“ auf Seite 212.

Interessant

Bei Barbarossa denken viele an die Sage vom Kyffhäuser und sein 81 Meter hohes Denkmal in Thüringen. Im Innern des Berges soll der Kaiser schlafen, zu gegebener Zeit aufwachen und als Retter des Volkes wiederkehren.

Doch ursprünglich bezog sich nachweislich diese Mär auf Friedrich II., den Enkel Barbarossas, der 1250 starb. Nach seinem Tod begann das so genannte Interregnum, eine Zeit also ohne Kaiser, die erst 1278 endete. Friedrich II. galt als überragende Persönlichkeit, schon seine Zeitgenossen nannten ihn „Stupor Mundi“, das „(Er-)Staunen der Welt“. Man wollte deshalb nicht glauben, dass er tot ist.

Im Volksglauben sterben solche Helden nicht, sondern „schlafen“ im Berg und kehren zurück, wenn sie wieder gebraucht werden. 1519 heißt es erstmals, dass Barbarossa in einem „hohen Berg“ hause und im 19. Jahrhundert hatten Vertreter der deutschen Romantik endgültig Friedrich II. durch Barbarossa ersetzt.

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