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Vilseck: Volkskunst aus dem Erzgebirge - Maria Deinzer und ihre Weihnachts-Pyramide

„Beim Aufbau der Pyramide überkamen mich wehmütige Gefühle. Es war wie Heimweh“, erzählt Maria Deinzer. Die gebürtige Sächsin lebt seit 26 Jahren in Vilseck und denkt besonders in der Weihnachtszeit zurück an die Tradition in ihrer früheren Heimat. So hat sie heuer nach fünf Jahren wieder einmal ihr besonderes Kleinod aufgebaut.

Es ist ein Erbstück ihres Urgroßvaters Hermann Wolf, der in Kirchberg, Kreis Zwickau, von 1864 bis 1948 lebte. Der Tuchmacher und Webmeister hatte ein besonderes Geschick für handwerkliche Arbeiten.

So machte er sich Ende des 19. Jahrhunderts an das Fertigen einer Weihnachts-Pyramide, auch Drehturm genannt. Hermann Wolf arbeitete daran etwa drei Jahre. Die 1,50 m hohe Pyramide im gotischen Stil besteht aus vier Teilen: Bodenplatte, Grundelement, Turmspitze und Flügelrad. Viel Ausdauer und Geduld brachte der begeisterte Bastler auch für die kunstvollen Schnitz- und Laubesägearbeiten und das Vergolden der Zierleisten auf.

„Jedes Jahr am dritten Advent wurde die Pyramide in der guten Stube sorgfältig aufgebaut“, erzählt Frau Deinzer. Nicht jeder durfte da mitmachen, denn es handelte sich ja um das Heiligtum der Familie.“

Maria Deinzer erinnert sich noch gut an die Weihnachtsfeste in ihrer Kindheit. „Die zwölf Kerzen an der Pyramide durften erst am Heiligen Abend nach der Christmette zur Bescherung angezündet werden.

Ursprünglich waren ja seitlich kleine Petroleumlämpchen angebracht, die die benötigte Wärme erzeugten. Wenn sich die Flügel oben dann bewegten und die Figuren sich zu drehen begannen, wurde gebetet und gesungen, und erst dann war wirklich Weihnachten bei uns in Kirchberg“, weiß Maria Deinzer zu berichten.

In diesem Corona-Jahr war es ihr ein Bedürfnis, sich wieder einmal an den Aufbau dieses Kleinods zu wagen. Eine Woche hat sie dafür benötigt. „Zeit war ja nun heuer wirklich genügend vorhanden“, schmunzelt sie.

„Die Schnitzereien habe ich mit Seifenlauge, Pinsel und Wattestäbchen gereinigt, und die Drehflügel aus Messing habe ich mit Sidol und einem Wolllappen auf Hochglanz poliert. Besonders pfleglich musste ich die Figuren säubern, sie vorsichtig durch das Schnitzwerk schieben und auf dem Drehteller platzieren. Dies alles gelang mir zum Glück ohne Beschädigungen.“

So werden am Heiligen Abend im Deinzer-Stübchen die Kerzen an der Pyramide wieder feierlich entzündet werden, damit sie die dunkle Welt erleuchten. Dann wird bei Maria Deinzer sicher die Erinnerung an ihre Kindheit im Erzgebirge wachwerden und eine Träne der Rührung fließen.

Eine Woche lang benötigte Maria Deinzer für den Aufbau ihrer Weihnachtspyramide. „Man braucht dazu innere Ruhe und darf nicht unter Zeitdruck stehen“, sagt sie

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Maria Deinzer blickt ehrfurchtsvoll auf ihr wunderbares Erbstück, ein Bestandteil der Volkskunst aus dem Erzgebirge. Fünf Jahre lang ruhte die Pyramide in einem ungenutzten Zimmer unter dem Dach. In diesem Jahr wird sie am Heiligen Abend wieder Licht und Wärme verbreiten

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Viel Zeitaufwand, Mühe und Liebe zum Detail stecken in solch einem Kunstwerk

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Von ihrem Urgroßvater Hermann Wolf hat Maria Deinzer ein Kulturgut der besonderen Art geerbt, eine überdimensionale Weihnachtspyramide, die damals selbst im Erzgebirge ihres gleichen suchte. Das Bild aus dem Jahr 1943 zeigt den Hobbykünstler im fortgeschrittenen Alter mit seinen Urenkelinnen Maria (links) und ihrer Schwester Rosemarie, beide auf dem Schoß ihrer Tante Annemarie sitzend

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Auch die drei kostbaren Engel aus dem Erzgebirge zieren alljährlich das Deinzer-Stübchen. An ihnen erfreut sich Maria besonders, denn sie verkörpern echtes Zwickauer Kunstgewerbe

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