Vilseck: Der Schmied von Ebersbach - Kinderreiche Familien Lindner und ein altes Handwerk

Johann Lindner (1868-1948) war der zweite Schmied in Ebersbach. Sohn Ludwig wurde sein Nachfolger

Wenn vom Ebersbacher Schmied die Rede ist, weiß jeder, dass es sich um die Familie Lindner handelt. Das Schmiede-Handwerk war viele Jahrzehnte auf dem Haus. Obwohl es dort heute nicht mehr ausgeübt wird, lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit.

Als Schmied wird ein Mann bezeichnet, der Metall durch Schmieden bearbeitet. Heute heißt es Metallbauer oder Fachmann für Metallbearbeitung. Auf jeden Fall erfordert der Beruf viel handwerkliches Geschick.

Im ländlichen Raum war der Schmied noch im späten 20. Jahrhundert ein unverzichtbarer Handwerker mit breitem Spektrum, z.B. als Beschlagschmied, Hufschmied, Nagelschmied oder Waffenschmied.

Doch nun zum ersten Ebersbacher Schmid, Michael Lindner

Der Schmiedbou as Oberstamba (Obersteinbach), Michael Lindner, geb. 1835, und die Anna Margareta Wilhelm aus Sitzawou (Sitzambuch), geb. 1827, kamen nach ihrer Eheschließung 1861 nach Ebersbach. Sie bewirtschafteten ein kleines, landwirtschaftliches Anwesen mit Dorfschmiede am Ortseingang.

Sowohl im alten, wie auch in den 1940er Jahren erbautem, neuem Haus befand sich die Werkstatt mit Amboss und Schmiedefeuer links neben dem Hauseingang. Vor der Haustür stand ein riesengroßer Schliffstaa (Schleifstein), daneben lag Lux, der Schäferhundmischling.

Fünf Kinder überlebten und wuchsen in Ebersbach auf. Drei Söhne gingen nach Nürnberg, und die Tochter heiratete den damaligen Dorfmüller.

Es folgt der zweite Schmied, Johann Lindner

Johann (1868-1948) blieb in Ebersbach und lernte Schmied. An ihn übergab Vater Michael Bauernhof und Schmiede. Johann verehelichte sich 1898 mit Dorothea Ertl (1874-1938) aus Steinling. Im Laufe der Jahre kamen elf Kinder zur Welt; neun überlebten. Sie hießen Katharina, Josef, Johann jun., Karl, Xaver, Ludwig, Maria, Retl und Adolf.

Sieben Kinder verließen das Elternhaus bereits in jungen Jahren. Sie kamen aber jedes Jahr zur Ewerschbecker Kirwa mit ihren Kindern und Enkeln zu einem großen Familientreffen zusammen.

Johann wurde später sogar Schmiedemeister. Seine Arbeit war sehr geschätzt. Besonders begehrt waren seine Messer mit Hirscherschoid (Scheide aus Hirschgeweih), die er mit einem kleinen Merkmal versah.

Für die Bauern war der Schmied oft der erste Ansprechpartner, wenn es galt, landwirtschaftliche Geräte instand zu setzen oder neu anzufertigen

Johann machte Wagenreifen, Pflugscharen, Werkzeuge aller Art und führte Dengel- und Schleifarbeiten aus. „Auch die Kinder mussten zur rechten Zeit mithelfen“, erzählt die ehemalige Sparkassenangestellte Inge Lindner, die Enkelin von Johann und Tochter von Karl Lindner.

Besonders meine ledige Tante Mare, die nach dem frühen Tod der Mutter den Haushalt führte, war während des Krieges auch eine wichtige Gehilfin in der Schmiedewerkstatt und musste wie ein Mann zupacken“, weiß Inge Lindner zu berichten. „Mare schwang mit dem akkuraten Vater den Schmiedehammer. Der Takt musste stimmen.“

Auch kann sich die 86-Jährige noch gut erinnern, dass ihr Großvater Johann sonntags vor dem Kirchgang sein Radl bei Familie Barth, dem Elternhaus ihrer Mutter, in der Grabenstraße abstellte und die fertig geschliffenen Messer im Zeitungspapier mitbrachte und dort deponierte.

„Im Laufe der Woche holten die Leute dann ihre Messer bei uns ab und bezahlten die Rechnung“, so Inge Lindner. „Oft saß Johann auch noch bis spät in die Nacht in der Küche in Ebersbach und machte Holzschuhe, um die Haushaltskasse der großen Familie etwas aufzubessern.“

Nachfolger wurde Ludwig Lindner, der dritte Ebersbacher Schmid

Johann Lindners Sohn Ludwig (1908-1977), der auch das Schmiedehandwerk erlernt hatte und Kriegsteilnehmer bei der Marine war, übernahm 1948 nach Vaters Tod die Werkstatt.

Aus der Ehe mit der Nachbarstochter Margareta Graßler gingen ebenfalls neun Kinder hervor: Kathi, Marille, Ludwig, Gunda, Josef, Hans, Werner, Norbert und Annemarie. Wie man sich denken kann, war beim Schmied immer was los, denn wo es viele Kinder gab, kamen auch noch viele weitere hinzu. „Wenn wir zuhause mit unserer Arbeit fertig waren, durften wir zum Schmied gehen“, erzählt das einstige Nachbarsmädel Elisabeth Engelhardt, jetzt Hammer.

„Im Sommer spielten wir oft Strickhupfen oder Boochhupfen. Bei schlechtem Wetter wurde mit der Schmied-Tante in der guten Stube gesungen. Tante Mare lernte uns Moila viele Lieder mit vielen Strophen. Und obwohl neun eigene Kinder zu versorgen waren, bekamen auch wir Nachbarskinder von der Schmied-Mutter immer ein gutes Butter- oder Marmeladebrot.“

Schließlich konnte Vater Ludwig mit dem geringen Verdienst aus Landwirtschaft und Schmiede seine Familie nicht mehr ernähren. Er nahm eine Stelle bei der Baufirma Kopf an und arbeitete dort, bis ihn eine Krebserkrankung ereilte. Dennoch blieb das Schmieden ein Leben lang sein Hobby. So war er oft auch noch nach Feierabend in der Schmitt, wie es bei Lindners hieß.

Das Anwesen der Familie Lindner in Ebersbach um das Jahr 1930. Links neben der Haustüre befand sich die sogenannte Schmitt, die Schmiedewerkstatt

(Von rechts) Johann Lindner, seine Frau Dorothea, Sohn Ludwig und Tochter Maria

„Unser Vater hat immer gute Arbeit geleistet“, erinnert sich Tochter Annemarie.

Auch das Dengeln und Schleifen von Pflugscharen (Schoar) habe er wie kein anderer beherrscht, weiß sie aus Erzählungen ihrer Mutter. „Lange noch kamen Leute aus Niederbayern zu uns, die sich vom Vater Pflugscharen herrichten ließen. Sie behaupteten, dass dieses Handwerk keiner so gut beherrschen würde, wie unser Vater“, freut sich Annemarie noch heute.

Eigentlich ist es schade, dass das Schmiedehandwerk inzwischen ziemlich ausgestorben ist. Auch in Ebersbach gibt es leider keinen Schmied mehr. Aber alle Lindners tragen noch den Hausnamen „Schmied“, und sie sind stolz darauf, und das mit Recht.

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