Vilseck: Altes soll nicht vergessen werden - Interview von Michaela Süß mit Rosi Hasenstab
Über ihr neues Buch „Vilseck – Geschichte und Geschichten“ unterhielt sich Turmblick-Redakteurin Michaela Süß aus Sulzbach-Rosenberg (links) mit der Vilsecker Autorin Rosi Hasenstab, mit der sie seit längerer Zeit per Du ist
In 62 Kapiteln auf über 200 Seiten und mit vielen Fotos hat die 73-jährige Vilseckerin die Liebe zu ihrer Heimatstadt zum Ausdruck gebracht, und darüber hat sie mit Michaela Süß gesprochen.
Michaela: Hallo Rosi, wie ist es denn zu diesem Buch gekommen?
Rosi: Die Idee dazu hatte ich schon vor einigen Jahren, weil ich von den Zeitungslesern immer viel Lob für meine Berichte erhalten habe. Du weißt ja, dass ich schon seit 2011 für die Amberger Zeitung und für den Turmblick schreibe. Viele Vilsecker meinten auch, dass ich das alles mal in einem Buch zusammenfassen sollte.
Michaela: Woher hattest Du denn das ganz Material?
Rosi: Na ja, das war oft nicht ganz einfach. Wenn mich etwas interessierte, bin ich der Sache nachgegangen und habe Menschen besucht, von denen ich mir Informationen erhoffte. Meist waren es ältere Leute, die noch vieles aus der Vergangenheit wussten. Und das alles war höchst interessant.
Und Du weißt ja selber nur zu gut, dass das wichtigste an den Berichten die Bilder sind. So durfte ich auch in alten Fotoalben stöbern. Da sind wahre Schätze aufgetaucht, die ich natürlich zum Einscannen mitgenommen habe. Ich muss aber auch zugeben, dass ich auch hin und wieder im Internet nachgeforscht habe oder in der Vilsecker Stadtchronik.
Michaela: Worum geht es eigentlich in Deinem Buch? Was war Dir wichtig?
Rosi: Nun ja, in erster Linie geht es um Vilseck. Ich muss zugeben, dass bei all der Schreiberei die Liebe zu meiner Heimatstadt immer mehr gewachsen ist. Allmählich ist mir auch bewusst geworden, wie schön, interessant und geschichtsträchtig Vilseck ist. In erster Linie will ich mit meinem Buch erreichen, dass das Alte und Vergangene nicht ganz in Vergessenheit gerät. Das ist mir sehr wichtig.
Michaela: Und was genau hast Du in Deinem Buch unter die Lupe genommen?
Rosi: Das waren in erster Linie die wichtigsten historischen Gebäude und Einrichtungen der Stadt.
Aufgelockert habe ich das Ganze durch eine virtuelle Stadtführung, bei der ich mit den Lesern durch die alten Gassen gehe, vorbei an einstigen Geschäften und Wirtshäusern und dabei die ehemaligen Bewohner besuche und zu Wort kommen lasse. Auch so manche Geschichte und Anekdote durfte nicht fehlen. Am Schluss habe ich auch noch auf einige Vilsecker Vereine unter die Lupe genommen.
Michaela: Das klingt ja fantastisch. Wie lange hat das Projekt eigentlich gedauert von der ersten Idee bis zum fertigen Druck?
Rosi: Oh, das kann ich gar nicht sagen. Der allererste Impuls kam schon 2005 nach Veröffentlichung meiner Autobiografie.
Da hat mir ein Nachbar mal gesagt, dass ich nun auch etwas über Vilseck schreiben sollte. Das blieb natürlich irgendwie im Hinterkopf hängen, obwohl ich mir damals dachte: Was der da sagt, das werde ich nie tun.
Aber man soll halt nie „nie“ sagen! Doch als die Gedanken in meinem Kopf immer lauter und stärker wurden, etablierte sich allmählich die Idee mit dem Vilsecker Lesebuch. So wollte ich mein Werk ursprünglich nennen.
Michaela: Ja, und wie ging es dann weiter?
Rosi: Ich dachte, das könnte vielleicht etwas für die 700-Jahrfeier der Stadt Vilseck werden. Die findet nämlich 2031 statt, also in sechs Jahren. Und als ich das mal ganz im Vertrauen einem guten Bekannten sagte, meinte der, dass ich das nicht auf die lange Bank schieben dürfe. Man wüsste ja nie, was in sechs Jahren sein würde und ob man da noch gesund und geistig fit wäre. Und da hat er recht.
Michaela: Du machst mich ganz neugierig. Erzähl weiter!
Rosi: Über diesen Bekannten kam ich am 9. Juli 2024 mit meinem Verleger Eckard Bodner in Speinshart in Kontakt.
Herr Bodner hat mich bestens beraten und mir mit Daniela Kleber eine Super-Layouterin empfohlen. Ihr habe ich bestimmt 60 – 70 Emails geschrieben, weil ich immer wieder im Buch etwas geändert haben wollte.
So ist das ganze Projekt in neun Monaten über die Bühne gegangen. Am 15. April 2025 konnte ich mit meinem Mann Franz die gedruckten 500 Bücher in Speinshart abholen.
Michaela: Wie waren dann nach der Veröffentlichung die ersten Reaktionen in Vilseck?
Ich kann nur sagen: Überwältigend!
Die Bücher gingen weg wie die warmen Semmeln, und ich wurde mit Lob und Anerkennung von allen Seiten überhäuft. Scheinbar bin ich mit dem Buch in eine Marktlücke gestoßen. Es weckte großes Interesse bei Alt und Jung. Jeder einzelne fühlte sich sofort angesprochen und konnte sich schnell mit dem einen oder anderen Kapitel identifizieren. Viele Bücher wurden auch an Verwandte und Bekannte und an ehemalige Vilsecker in alle Welt verschickt.
Michaela: Da musst Du wahrscheinlich nochmal welche nachdrucken lassen.
Rosi: Das habe ich inzwischen getan, obwohl ich das nie vermutet hätte. Ich möchte auf jeden Fall, dass jeder, der ein Exemplar haben will, auch eines bekommt.
Michaela: Und wo kann man Dein Buch kaufen und wieviel kostet es?
Rosi: Das Buch kostet 19.90 €. Es ist im Rathaus erhältlich und bei Schreibwaren Göppner - und natürlich auch bei mir.
Michaela: Hast Du auch schon wieder neue Pläne für die Zukunft?
Rosi: Vorerst mal nicht. Ich muss das alles erst verdauen und wieder zur Ruhe kommen, denn es war schon eine Menge Arbeit. Aber wie schon erwähnt: Man soll ja nie „nie“ sagen! Mal sehen, was kommt und was in der Welt weiter geschieht. Überlassen wir alles dem Herrgott.
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