Vilseck: Fortsetzung des Berichts über 100 Jahre Vilsregulierung - Es wird ernst mit der Vilsregulierung

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wird es ernst. Es reifen Überlegungen, den Stadtweiher trockenzulegen und die Vils zu regulieren

Eine Genossenschaft wird gegründet, die diese Arbeiten abwickeln soll. Deren Vorsitz führt der Bankierssohn Adolf Feustel, dessen Familie aus Bayreuth stammt, und die sich in mehreren Hammergütern nördlich von Vilseck (Altneuhaus, Hellziechen und Langenbruck) niedergelassen hatte.

Von der geplanten Trockenlegung ist in erster Linie die Stadtmühle betroffen, eine Mahl- und Sägemühle, die am Auslauf des Weihers liegt. Seit 1895 produziert dort Stadtmüller Josef Kraus mit Wasserkraft und einer Dynamomaschine Strom für die Straßenbeleuchtung von Vilseck. 1904 muss er die Mühle verkaufen. Vermutlich hat er sich mit der Anschaffung des Stromdynamos übernommen.

Johann Riss wird neuer Besitzer, führt die Stadtmühle weiter und erzeugt nun mit einem der beiden Wasserräder Elektrizität für die Stadt. Doch sieht er auch mit Sorge, was man mit dem Stadtweiher im Sinn hat. In der Chronik der Familie Riss heißt es dazu: „Feustel schickt sich an, zum Totengräber der Mühle zu werden, denn die Vilsregulierung bedeutet das Aus für die Wasserkraft.“ Selbst die bezahlte Ablöse kann das Ende nicht mehr verhindern, nur noch hinauszögern. Durch die massive Wasserablassung kommen Mühle und Sägewerk schließlich zum Stillstand.

1924 tritt die Stadt der neugegründeten Vils-Genossenschaft zum Zwecke der Entwässerung des Vilstals zwischen Bruckmühle und Gressenwöhr bei. Die Trockenlegung des Stadtweihers beginnt am 25. Oktober 1926 mit der Absenkung des Wasserspiegels um zwei Meter, und es dauert fünf Jahre, bis die Vils in ein schmales Bett gezwungen ist.

Zur Bekämpfung der Erwerbslosigkeit in der damaligen Weltwirtschaftskrise wird von der Reichsregierung ein Arbeitsbeschaffungsprogramm aufgelegt. Arbeitslose Männer gibt es damals genug, die man zur Durchführung dieser beschwerlichen Arbeiten heranziehen kann.

Auch von der Röthenbacher Glashütte, die 1928 stillgelegt werden musste, kommen viele Arbeiter nach Vilseck. Zu ihrer Unterbringung baut die Stadt ein eigenes Haus, das sogenannte Vilshaus in der Nähe des Vogelturms. Allein die Kosten dafür belaufen sich auf 26.000 Mark. Ab 1940 werden im Vilshaus französische Kriegsgefangene untergebracht, die verschiedenen Landwirten als Erntehelfer zugeteilt sind. Auch muss das Vilshaus ab 1947 eine Zeitlang als Schulhaus dienen.

Der Maßnahmenkatalog zur Vilsregulierung enthält 13 Punkte: Trockenlegung des Stadtweihers mit Beseitigung der Stadtmühle, Anpassung bzw. Beseitigung von Triebwerken, Errichtung und Anpassung von Straßen und Brücken, Einrichtung von Einlaufbauwerken, Anschluss der Winterungsteiche an den Ebersbach, Regulierung der Schmalnohe und Wiesenohe und noch vieles mehr. Sämtliche hierzu erstellten Pläne liegen im Archiv des Wasserwirtschaftsamts Weiden. Die Gesamtkosten der Vilsregulierung belaufen sich auf ca. 3 Millionen Mark. Die einbezogenen Grundstücke werden mit einer Kulturrente belastet.

Zu diesem Zweck wird der Wasser- und Bodenverband -Vilsregulierung Vilseck- gegründet, der die Kulturrenten (Jahresbeiträge) einhebt, die sich nach Wert und Größe der Grundstücke errechnen. In der Verbands-Satzung sind Zweck und Aufgaben festgelegt. Aufsichtsbehörde ist das Landratsamt Amberg.

Man kann sich denken, dass die ganze Unternehmung nicht reibungslos verläuft. Grundstücke müssen getauscht oder veräußert werden. Es gibt massive Einwände von Seiten der Besitzer, folglich jahrelange Verhandlungen und Streitigkeiten mit den Behörden.

1932 beginnt man mit der Anlage der Kriegergedächtnisallee (Vilsallee). Es werden kanadische Pappeln gepflanzt. 1933 erhält sie den Namen Hindenburgallee. Im einstigen Stadtweihergebiet werden kleine Gartenparzellen angelegt und verpachtet. 1936 gründet sich der Kleingärtnerverein, den es heute noch gibt.

Seit 100 Jahren ist das Projekt Vilsregulierung inzwischen Vergangenheit. Nun kommen andere Gesichtspunkte ins Spiel. Aus dem begradigten Fluss soll im 21. Jahrhundert nun wieder ein natürlicher werden.

2014 beginnt eine Renaturierung, um „die Sünden der Vergangenheit“ zu beseitigen, damit sich der ökologische Zustand verbessert. Die Vils soll wieder zur Natur zurückkehren. Sie wird aus ihren Zwängen befreit und darf nun in künstlich geschaffenen Bögen das einstige Stadtweihergebiet durchfließen.

Was aber wird in 100 Jahren sein? Diese Frage gibt zu denken, aber heute kann sie noch keiner beantworten.

Vilseck: 100 Jahre Vilsregulierung Vilseck

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