Vilseck: 100 Jahre Vilsregulierung Vilseck
Nach 450 Jahren kommt das Aus für den Stadtweiher
Burgansicht von Westen mit Stadtweiher

„Nur noch ein paar Wochen – und er ist nicht mehr!“, so heißt es im November 1926 im Oberpfälzer Kurier, Weiden. In den Heimatblättern für den oberen Naabgau berichtet Studienprofessor Joseph Kopf über das Geschehen vor 100 Jahren in seiner Heimatstadt Vilseck. Aber was war da los?
„Mehr als 450 Jahre haben sich die Mauern und Türme des Städtchens Vilseck im Wasser des Stadtweihers gespiegelt“, schreibt der gebürtige Vilsecker. Und das sollte nun vorbei sein? Was war geschehen?
Blicken wir zunächst weit in die Vergangenheit zurück
Als im 15. Jahrhundert die Hussiten, Feinde des Bischofs von Bamberg, die damals bischöflich bambergische Stadt Vilseck bedrohten, hemmte man 1437 den Wasserlauf der Vils durch einen Damm. So staute man einen 38 Tagwerk (= 12,948 ha) großen Stadtweiher außerhalb der Stadtmauer an, der die Annäherung von Feinden behindern sollte.
Hintergedanke war außerdem, die begehrten Fische und Krebse aus der Oberpfalz günstig geliefert zu bekommen. Und da kam den Bischöfen von Bamberg und deren Hofküche das neuangelegte, große Fischwasser in Vilseck gerade recht. 1439 wurden auch Stadtmühle und Mühlbrücke am Auslauf des Weihers angelegt. Unterhalb der Schlossmauern gab es ebenfalls eine Mühle, die alte Mühle, die später verschwand.
Von 1437 – 1926 gab es im Nordwesten von Vilseck den fast 13 Hektar großen Stadtweiher. Er sollte die Stadt vor Feinden schützen

Und nun sollte also um 1926 die letzte Stunde des Stadtweihers schlagen. Aber warum?
Doch bevor diese Frage beantwortet wird, noch ein paar Eindrücke von Prof. Kopf über die Zeit mit und im Stadtweiher.
„Wer hat nicht schon den Weiher mit seinem Scheef durchfahren, sei es zum Fischen oder Jagen? Wer hat nicht schon im Sommer Badefreuden genossen? Und was war das für ein Vergnügen, im Winter dort Schlittschuh zu laufen oder Eisstock zu schießen? Ein eigenartiger Zauber lag in so einer kalten, mondhellen Dezembernacht über dieser Eisfläche, die in weitem Bogen die Stadtmauer im Westen und Norden umschloss. Wer fand sich nicht zu den nächtlichen Eisfesten in den 1880er Jahren ein? Wie glitzerte da die Eisfläche im Scheine der vielen Lampions zu den Klängen der Stadtkapelle, die von der Mitte des Weihers heraus erschallten zur Freude von Jung und Alt.“
Stadtweiher mit Stadtmühle vor der Trockenlegung

Nun, die Vils hatte vier Jahrhunderte lang Schlamm und Sand im Becken des Weihers abgelagert und den Boden mit einer drei Meter tiefen Schlammschicht bedeckt. Auch das Gelände im heutigen Truppenübungsplatz zeigt sich größtenteils sumpfig und wird zum Problem.
Durch die fortschreitende Versumpfung des gesamten Hinterlandes fehlt trockenes, brauchbares Ackerland. Schlechte Ernten sind die Folge. Die sommerliche Mückenplage bringt gesundheitliche Probleme, zumal der Weiher auch mit Abwässern belastet ist.
Das Trinkwasser in Vilseck ist schlecht, und die privaten Pump- und Ziehbrunnen liefern nur Brauchwasser. Zudem liegt die Innenstadt tiefer als der Wasserspiegel des Stadtweihers.
Sickerwasser und ein hoher Grundwasserspiegel lassen schon bei normalen Witterungsverhältnissen eine hohe Feuchte im Stadtgebiet erkennen. Kommt dann noch ein Starkregen oder eine Schneeschmelze hinzu, läuft der Stadtweiher über die Ufer und ergießt sich in die Stadt, so dass man z.B. beim Angerer mit dem Kahn ins Wirtshaus fahren muss, heißt es in einer um 1860 erstellten topografischen Beschreibung.
Also muss sich mit dem „Übeltäter“ Stadtweiher etwas ändern!
Eine alte Zeichnung verdeutlicht die geographische Situation vor der Vilsregulierung

Die Stimmen über eine geplante Vilskorrektur werden gegen Ende des 19. Jahrhunderts immer lauter.
Den alteingesessenen Vilseckern ist das nicht ganz geheuer, würde doch mit dem Stadtweiher ein Stück Heimat verschwinden. Auch hat das Fischwasser der Stadt stets gute Pachteinnahmen beschert und den Fischern durch das jährliche Abfischen ein gutes Einkommen gesichert.
Das Vilshaus

Vilsregulierung 1928 in Vilseck

Vilsregulierung in Schlicht

Wie es mit dem Stadtweiher vor 100 Jahren weiterging, lesen Sie in der nächsten Folge.
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