Vilseck: Filmemacher Ludwig Wüst bei „Kino.Kunst“ - Wahl-Wiener zu Gast auf Burg Dagestein

Interessiert lauschen die Kinobesucher im Kulturkasten der Burg Dagestein den Erläuterungen von Thorsten Schaumann (rechts) und dem Produzenten Ludwig Wüst

Mit zwei seiner Kinofilme feiert der gebürtige Schlichter Ludwig Wüst im Kulturkasten auf Burg Dagestein Premiere in Vilseck und gibt Einblick in sein künstlerisches Schaffen.

Thorsten Schaumann, Intendant der internationalen Hofer Filmtage, stellte Ludwig Wüst bei „Kino.Kunst“ in Vilseck als genialen Künstler vor, der sich mit seinen Produktionen längst internationale Anerkennung erworben hat.

„Mir ist es wichtig“, so Wüst, „hier in meiner Heimat die Stationen meines Lebensweges und die Arbeit der letzten drei Jahrzehnte zeigen zu dürfen“, freute sich der seit 34 Jahren in Wien lebende Filmemacher.

Ein Portrait des ORF über das 56-jährige Multitalent leitete den Abend ein. Die Zuschauer gewannen dabei einen ersten Eindruck über Ludwig Wüst, der sich als gelernter Schreiner zum Maler, Schauspieler und Sänger, aber auch zum Autor und Regisseur emporgearbeitet hat.

Im Film „Das Haus meines Vaters“ verarbeitete Wüst persönliche Gefühle auf der Spurensuche in seiner eigenen Vergangenheit. „Die Arbeit an dem Film war eine wichtige emotionale Sache für mich, die auch mit Wurzeln zu tun hat,“ erklärte er.

„Der Tod meiner beiden Eltern 2008 und meine anschließend gemachten Videoaufnahmen im Elternhaus waren für die Entstehung des Films maßgebend.“ In dem 65-minütigen Zwei-Personen-Stück mit Martina Spitzer und Nenad Smigoc geht es um existenzielle Grundsatzfragen. Die Kinobesucher vertieften sich in das Geschehen und wurden dabei selbst zum Nachdenken über ihre eigenen Lebenssituationen angeregt.

Am Ende beantworteten Ludwig Wüst und Thorsten Schaumann die Fragen der Zuschauer und plauderten dabei offen aus dem Nähkästchen. Wüst sagte, dass er jährlich einige Male nach Schlicht komme und stellte fest, dass bei seinen Wanderungen zur Kocher, auf die Zant und nach Bruckmühl die Liebe zu seiner Heimat immer mehr an Bedeutung gewinne.

Ludwig Wüst feiert mit zwei seiner Filme Premiere in Vilseck

Tags darauf präsentierte Ludwig Wüst seinen Film „Aufbruch“, mit dem er 2018 bei der Berlinale für großes Aufsehen gesorgt und ausgezeichnete Kritiken erhalten hatte. Wüst selber spielt darin die Hauptrolle. Er verkörpert einen wortkargen Schreiner, der mit einer einsamen Frau (Claudia Martini) zu einem unbekannten Ziel aufbricht. Der Film handelt von einem Akt selbstloser Nächstenliebe, wobei sich Traurigkeit und Humor die Klinke in die Hand geben.

Nach der Vorführung herrschte etwas gedrückte Stimmung im Saal, zumal die Darstellerin am Ende stirbt und es jedem bewusst wird, dass dies ihr letzter Tag im Leben war. Dahinter steckt die Botschaft des Produzenten, sich der Kostbarkeit jedes Tages bewusst zu sein, ihn zu genießen und hilfsbereit und liebevoll mit seinen Mitmenschen umzugehen.

Ein Kritiker bei der Berlinale hatte damals das Fazit gezogen: „Diesen Film müsste die ganz Welt sehen und daran gesunden.“

Ludwig Wüst (Zweiter von links) feiert mit zwei seiner Filme Premiere in Vilseck. Mit ihm freuen sich Bürgermeister Hans-Martin Schertl, Hofer-Filmtage-Intendant Thorsten Schaumann und die Kulturbeauftragte der Stadt Vilseck, Adolfine Nitschke.

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