Die Vilsecker Bahnhöfe - Wege in die neue Zeit

Der jetzige Vilsecker Bahnhof, hier in den 1960er Jahren, wurde von den Amerikanern erbaut und erst 1955 den Deutschen überlassen. Die 51 km lange Bahnstrecke zwischen Neukirchen und Weiden mit Haltestelle in Vilseck ist nach wie vor gut frequentiert

Eine Seltenheit dürfte es sein, dass eine Kleinstadt wie Vilseck gleich zwei Bahnhöfe hat, nämlich einen deutschen und einen amerikanischen. Seit Jahrzehnten stehen die beiden Gebäude nebeneinander, der deutsche und der einstige amerikanische Bahnhof!

Der deutsche Bahnhof wurde 1874/75 von der Ostbahngesellschaft nach einheitlichem Muster für Bahnhofsgebäude als Ziegelbau mit einem Schieferdach errichtet. Die Räume im Erdgeschoss waren bis 1955 Diensträume. Hier waren der Schalter für die Fahrkartenausgabe, ein Raum für die Gepäckannahme und je ein Wartesaal für Reisende der 2. bzw. 3. Klasse. Im Oktober 1875 wurde die Bahnlinie Neukirchen-Weiden dem Verkehr übergeben. Für Vilseck, als eine Haltestelle auf dieser Strecke, begann damit der Weg in die neue Zeit.

Im alten, deutschen Vilsecker Bahnhof, errichtet 1875, befand sich auch immer die Dienst-Wohnung des jeweiligen Bahnhofsvorstehers. Das Gebäude hat nun einen neuen Besitzer. Diese Aufnahme dürfte um 1970 entstanden sein


Der Chronist schreibt, dass am 15. Oktober 1875 viele Bürger in heller Aufregung zum Bahnhof strömten, um die erste Eisenbahn in Vilseck zu sehen. Die Kinder zogen mit weiß-blauen Fähnchen von der Schule hinaus und warteten gespannt auf das erste „Rauchpferd“.

Dichtgedrängt standen sie und bewunderten das schwarze Ungetüm. Als das Dampfross den Bahnhof wieder verlassen hatte, bekam jedes Kind drei Knackwürste und ein Spitz´l. Das Ereignis wurde wie ein Fest gefeiert. Viele Leute aber waren misstrauisch gegen die neue Erfindung. Sie hatten keine große Freude, weil sie für das Mitfahren im Zug bezahlen mussten.

1951 ließ die amerikanische Besatzungsmacht neben dem deutschen Bahnhof ein eigenes, modern eingerichtetes Gebäude erstellen. Der Bau wurde von der Deutschen Bundesbahn ausgeführt, während die Kosten der Innenausstattung von der US-Army übernommen wurden. Neidvoll blickten die Einheimischen damals auf diesen Bahnhof, zu dem sie keinen Zutritt hatten.

Erst Ende 1955 wurde er aufgrund amerikanischer Einsparungsmaßnahmen den Deutschen überlassen. Die Vilsecker kamen dadurch zu einem modernen, neuzeitlichen Bahnhof, der inzwischen im Privatbesitz ist und ein Reisebüro beherbergt.

Der alte Ziegelbau hat nun ebenfalls einen neuen Besitzer, der das Gebäude inzwischen zu einem wahren Schmuckstück aufwändig umgebaut hat. Er will, dass das Haus bald belebt und genutzt wird.

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