300jähriger Oberpfälzer Geburtstag der Kartoffel

Die Kartoffel feierte ihren 300jährigen Oberpfälzer Geburtstag und nur zu gerne feierten viele mit „Erdäpfel in der Montur und Butter“ mit

Heimhof: Der Ursensoller Heimatpfleger Josef Schmaußer und Johannes Ehbauer präsentierten bei der 18. heimatkundlichen Stammtischreihe zusammen mit manchen Beiträgen der Gäste die „tolle Knolle“ in der Heimhofer Burgschänke „auf historischen Boden“ der einstigen St. Nikolauskirche, die als Bild an der großen Leinwand alle begrüßte.

Schon vor 8000 Jahren war die Kartoffel in Peru nachweisbar und noch heute kennt man 3.840 Sorten, lernte man

Nach der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus Ende des 15. Jahrhunderts begann ihr Siegeszug erstmal ganz langsam und stockend über Spanien nach Nordeuropa.

Gefördert von Friedrich dem Großen, dem „Alten Fritz“, weiß man schließlich auch in Amberg von ihr.

Propagiert vom römisch-katholischen Stadtpfarrer von St. Martin, dem Hochwürden Johann Heinrich Werner (22.1.1684 – 28.11.1752), den auch der Kartoffelbrunnen im Innenhof des Morawitzky-Palais feiert (und welcher zudem der Begründer des Amberger Waisenhauses ist), ist ihr Anbau in der Amberger Gegend definitiv ab 1724 nachweisbar.

Nur zögerlich wagte man sich damals an die unbekannte Frucht und probierte zuerst die grünen giftigen oberirdischen Knöllchen, wohl auch das Kraut und freute sich botanisch primär an seinen Blüten.

Doch schon 1725 schreibt ein von Wiltmaister über die rechte sättigende Zubereitung der Kartoffel in der Amberger Gegend und auch deren Verwendung als effektives Schweinefutter. Auch als „Sterke zur Wäsch´ oder als Haarpuder“ sei die Kartoffel zu gebrauchen.

Er fährt aber mahnend fort, dass der zunehmende Kartoffelanbau „ebenso schädlich“ sein könne. Denn es würde dadurch der „Getreidebau dermassen vermindert, daß nach der Hand (also offensichtlich) hieran ein grosser Mangel (an Getreide) zu besorgen seyn möchte“.

Bedenken und Begeisterung wechselten sich tatsächlich in der Folgezeit ab. Doch als es 1772 durch einen Vulkanausbruch einen „Sommer ohne Sonne“ gab, war es die Kartoffel, die dank eines Ukas des bayrischen Herzogs Max Joseph III. eine noch schlimmere Hungernot durch den forcierten Anbau verhinderte.

Ein Teilnehmer wusste zudem, dass die Gefahr der Fäulnis der Kartoffelknollen durch zu viel Regen bald damit begegnet wurde, diese in Bifingen (oder Bifangen), also erhöht, zu kultivieren. Davor hatte man dies ja auch erfolgreich beim Getreide bis zum Jahr 1910 gemacht.

Aus seiner Jugend erzählte Josef Schmaußer vom Kartoffelklauben, von zweimaligen Nachklauben und dem Einsatz des Dämpfers für die Schweinemast. Die darin gekochten warmen Erdäpfel schnappten sich im Winter auch gerne die Kinder als „Leckerbissen“ nach mancher durchnässten Schlittenfahrt, so der Ursensollner Heimatpfleger.

Seine Erinnerungen führten auch in seine Zeit im Seminar, wo man nur zur Zeit der Kartoffelernte in selbst geschnitzten Pfeifen Kartoffelkraut rauchen durfte. Dies habe allerdings – pädagogisch klug! - den allermeisten jegliche Lust aufs Rauchen verdorben.

Im Winter habe man nicht selten heiße Kartoffeln den Kindern in die Jackentaschen für ihren Schulweg gegeben, erzählen Gäste. Diese waren zuerst Handwärmer und dann auch gleich Pausenbrot.

An das Absammeln der Kartoffelschädlinge konnten sich viele noch gut erinnern. Sogar ganze Schulklassen hatte man dazu eingeteilt, den „Kolorado- oder Kartoffelkäfer“ abzusammeln, um ihm vor der Erfindung chemischer Bekämpfungsmittel „Herr zu werden“.

Gar manche Anekdote wie „drei Schöpflöffel Forellen“, die „Bewachung der Kartoffelfelder“, dem Missverständnis von Erdbirn und Erdbeern oder den „Kartoffeln vorn, nicht hinten in der Hose“ und auch ein Gedicht von Norbert Neugirg gab man zum Besten.

Ergebnis des Abends war auch eine Sammlung von 17 Kartoffelgerichten

Da folgte Bekanntes wie Kartoffelsalat oder Kartoffelsuppe auf ein „Goasbratl“, Kartoffeln in Schichten mit Bauchfleisch. Sogar einen Kartoffelschnaps oder „Saure Kartoffelrädle“ ließen da Manchen schon das Wasser im Mund zusammenlaufen. Gut, dass der Wirt hier Abhilfe leistete und auch gleich allen heiße Kartoffeln mit Bauernbutter servierte.

Angenehm „rausgespielt“ wurde man mit dem Video eines Kartoffellieds der Seebauer Moidln und auch gleich eingeladen zum nächsten Abend mit Josef Schmaußer am Donnerstag, den 8. Februar 2024 beim Bartl auf dem Feuerhof von Sulzbach-Rosenberg.

Thema ist ab 19.30 Uhr „Brauchtum und Tradition im Februar“.

Beim Kartoffelkäferabklauben

Lange noch waren Kühe hilfreiche Zugtiere für den Pflug bei der Kartoffelernte

In Grätzen sammelte man die Kartoffeln

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