Das Leben auf dem Land anno dazumal


Das Familienleben war früher sehr geordnet, schrieb 2002 der vom Adlholzer „Wegmacher“ abstammende Heimatkundler Josef Wismet (1936 – 2017). Für ihn war der Grund hierfür der christliche Glaube, aber sicher auch manche Not(wendigkeit).

Auf dem Land herrschte eine gewisse Rangordnung, wusste er. Da gab es die Groß- und Kleinbauern, dörfliche Handwerker wie den Schmied, den Geschirr- und Wagenmacher, den Bader, Schuster oder Schneider. Es herrschten der Dorfälteste oder der Dorfhauptmann, der Schulmeister, der Pfarrer.

Mehr schlecht als recht lebten Totengräber, Leichenfrau oder Leichbieter, also Verkünder und Ankleider der Verstorbenen. Dies war oft die Arbeit der Leute vom Hirthaus neben ihren Hüteaufgaben. Oft bekamen sie für ihren Informationsdienst ein Ei von den Bauern geschenkt.

Auch herumziehendes Volk wie Kesselflicker, Scherenschleifer, Federnschleißer, Fallenhändler, Hausierer oder Bettler und manche herumziehende (wahrsagende) Sinti und Roma waren gang und gäbe. Wohl auch ihretwegen gab es in den Ortschaften eine Kirchenwacht. An allen Sonn- und Feiertagen waren gemäß einer polizeilichen Vorschrift während des vormittäglichen Gottesdienstes das Dorf und die Anwesen zu bewachen.

Auch in der Christnacht ging der Wächter durch das Dorf und rief zudem um 22, 23 und 24 Uhr die Zeit aus mit dem bekannten „Hört, ihr Leut‘ und lasst euch sagen, unsre Uhr hat 10/11/12 geschlagen“ oder „Höret, liebe Leute, was ich will sagen, die Glocke hat 10/11/12 geschlagen.“

Zur Dorfmark, dem Allgemeingut, der Allmende gehörten außer Äckern und Wiesen noch gemeinsames Weideland, Ödland, Raine, Walder und Fischweiher. Als dieses später unter den Ortschaften und den Leuten aufgeteilt wurde, gab es manchen Streit und manche Rangelei.

Familienleben und Ehhalten

Die Ehe war stets kinderreich, bis zu 15 Kinder wuchsen heran. Von Anfang an mussten diese mitarbeiten, nicht selten bis weit in den Abend hinein und doch am nächsten Morgen „beim ersten Hahnenkrähen“, gegen 5 Uhr, wieder aufstehen. Schulbesuch war zweitrangig. Die Sonntags- und Winterschule wurden eher eingehalten. Spielsachen gab es nur zu Weihnachten und dann wurden diese oft bald wieder weggesperrt.

Die Großmutter übernahm oft die leichteren innerhäuslichen Arbeiten, nicht selten auch die Erziehung der Kinder und die „junge Frau“ musste draußen bei der Feldarbeit helfen. Die großen Kinder zogen die Kleinen groß. Bald nach der Feiertagsschule musste man sich schon verdingen, das heißt, oft schon im Kindesalter als Magd oder Knecht bei einem größeren Bauern für kargen Lohn arbeiten, um daheim den Brottisch zu verkleinern.

Dieser war mit dem besseren Essen für die Bauersleute in der guten Stube, das Gesinde bekam das weniger Gute, in einem extra Raum nebenan. Das Essen war meistens in einer Schüssel, man brockte Brot mit Milch ein und löffelte gemeinsam daraus. Vor dem Brotanschneiden wurden auf die Rückseite des Laibs drei Kreuze gemacht. Dass vor und nach jedem Essen – mehr oder weniger schnell - gebetet wurde, war selbstverständlich.

Das Ehhalten, sprich die Hilfskräfte auf dem Hof, bestand bei größeren Bauern aus dem ersten und zweiten Knecht, dem Ochsera, dem Stallburschen und dem Hütbuben. Dann waren da noch die Bama, die Großmagd, die Annadirn und das Hausmensch, also die Magd, die für den Haushalt zuständig war. Nicht selten half auch ein unverheiratetes oder behindertes Familienmitglied, dass es „umgejt“, es fürs (Über)Leben reicht.

Schwierige Beziehungen

Das Verhältnis der Hofbesitzer und der Bediensteten war sicher nicht immer glücklich und keineswegs ebenbürtig. Sprüche wie „Herr, schenke mir Knechte und Mägde, die nicht nur beim Essen schwitzen!“ oder „Der Winter ist um, wenn das Geräucherte in der Speis zu Ende und die Magd schwanger ist.“

Auch „So genga dia Gang, hot der sell Bauer gsagt und hat bloss oin Gang ghabt und der ist zur Magd ganga.“ Diese war gar nicht so selten vom Bauern schwanger und ob die daraus entstandenen Bangerten und ihre Mutter auf dem Hof bleiben durften, entschied wiederum der Bauer.

Geheiratet wurde relativ spät, da die Hofübergabe oft erst im hohen Alter der Eltern erfolgte. Nicht selten folgte man dabei auch dem Rat der Brautvermittler, damit „a Sach zu a Sach“ kommt. Diese hatten meist Zugang zu jedem Hof und kannten sich auch mit den finanziellen Verhältnissen gut aus. Bis 1920 durfte die Braut nur in schwarz heiraten, Adelige in Weiß. Das Brautgewand wurde aber dann auch – anders als das weiße Brautkleid – weiter, oft als Sonntagsgewand getragen.

Wechselheiraten waren gang und gäbe. Da heiratete eine Person in den anderen Hof und von diesem wiederum eine Person in diesen. Kein Problem bei der Mitgift und „wenn die Felder passn“ war alles gut. Man wusste, dass „Liebe vergeht, Hektar besteht“.

Nicht immer waren dies logischerweise Liebesheiraten, aber „wenn se dia niat allzu bleid astelln, dann kummt di Liab scho dazua“, war man sich sicher. „Iwagehm, nimma leben“ war eines der Sprichwörter, die vom der traurigen Ausnahm der Alten nach der Übergabe und ihrem Umzug ins Ausgeding, das Ausnahmhäusl oder in den „Winkl“ erzählten.

Mägde und Knechte konnten oft gar nicht heiraten, da sie praktisch über kein Vermögen und keinen eigenen Hausstand verfügten. Sie brauchten eine bürgerrechtliche Genehmigung, die bestätigte, dass sie finanziell in der Lage waren ein Kind groß zu ziehen. Ihr Heiratstag war dann auch meist der Freitag vor Lichtmess, dem ein- und Ausstandtag.

Die wenigsten Leute waren damals begütert. Es gab viele Tagelöhner, (Klein)Häusler mit einer kleinen Sach‘, die gerade so über die Runden als Selbstversorger kamen. Dazuverdienen konnten sich diese im Sommer bei Saisonarbeiten und im Winter mit Holzarbeit. Die Weiblichkeit half etwas mit Flachs- und Wollespinnen oder dem Nähen von Leinen.

Nicht alle sind gleich viel wert

An die doch recht unterschiedlichen Wertigkeiten von Mensch und Tier erinnern noch Sprüche wie „Weiber sterbn – koi Verderben. Gaal (Pferde) verrecka, des macht Schrecka!“. Pferde waren offensichtlich wertvoller als Frauen. Denn starb ein Pferd, wurde es teuer für den Bauern, starb die Frau, suchte man eine Neue, bekam Mitgift, eine neue Arbeitskraft und weiter „kleinere“ Arbeitskräfte in Form der weiteren Kinder.

Aber auch die Hilfskräfte auf dem Hof zählten weniger als das Vieh im Stall: „Knechte sterben – kein Verderben. Ochsen sterben – groß Verderben“ war einer jener Sprüche. Der Viachdokter, der Tierarzt, wurde in der Konsequenz auch höher geschätzt und öfter gerufen als der Hausarzt. Bedingt durch die schwierigere Mobilität kam dieser aber dann auch oft zu spät, da man ihn erst holte, wenn es wirklich nicht mehr anders ging. Dann rief man eben den Pfarrer zum „Versehgang“, damit er „den Sterbenden fertig mache“.

Freizeiten

Am Abend, vor allem zur Winterszeit, saß man zusammen und erzählte sich zum Kienspanlicht Geschichten, oft von Hexen und seltsamen gruseligen Ereignissen. Aber auch sang man Lieder und selbst Gaudi und Frohsinn gehörten oft zum Abendritual, natürlich vor allem in der dunkleren Jahreszeit.

An „Freizeitvergnügen“ gab es vor allem für die Burschen den Besuch im Wirtshaus, wo zum Bier geschnupft und gekartelt wurde. Treffen bei den (freistehende) Kegelbahnen und Scheibenschießen bzw. im Winter das Eisstockschieben waren natürlich auch sehr beliebt, so es die Arbeit und die restliche Kraft erlaubte.

Oft bildeten sich auch Theatergruppen, die mit viel Spielfreude und dem Spaß oder der zeitweiligen Flucht in ein „anderes Leben“, den Alltag von Spielern und Zuschauern bereicherten.

Theaterspieler um 1900

War aber Kirchweih, so konnte es „sich schicka, sie gejt bis zum Mikka“ (Mittwoch). Recht ausgelassen wurde da oft gefeiert, nur zum Versorgen des Viehs ging man heim. Auch war klar: “a Kirwa, af dera niat graaft wird, ist koi richtiche Kirwa“. Im 18. Jahrhundert musste man das Gesinde auch auf die Kirchweihen der umgebenden - und Heimatorte gehen lassen, so dass man nicht selten tatsächlich auf nur 200 Arbeitstage des „Personals“ im Jahr kam.

Als dann zu Beginn des 19. Jahrhunderts alle Kirchweihen in der „Allerweltskirchweih“ zusammengefasst werden sollten, feierte man diese dann oft „zusätzlich“ noch mit. Zu einer richtigen Kirchweih gehörten auch der Tanzboden und Tänze wie Schleifer, Walzer, Schottische, Dreher, Zwiefache, Galopp, Jägermarsch und Landler. Beliebt waren auch die Polka und die Mazurka, die der „böhmische Wind“ aus dem Osten in die Oberpfalz gebracht hatte.

„Auszeiten“ boten auch die kirchlichen Feste, zu denen die Sonntage, Hochzeiten, Kindstaufen, Erstkommunion, Firmung und auch die Beerdigungen zählten. Dass es bei diesen, zumindest gegen deren Ende hin, immer wieder auch recht lustig zuging, erzählt der allgemein bekannte Spruch: „A Gaudi muas sei bei da Leich, sunst gejt koina mit!“. Doch dass es bis zur Eigenen noch recht lang sein soll, darin waren sich natürlich alle einig.

Arbeiten gab es mehr als genug

Arbeit gab es mehr als genug: da hieß es ackern, mähen, sicheln, dengeln, pflügen, hacken, pflanzen, sähen, ernten, düngen, Brotbacken, drischel- und später maschinendreschen, Kornmandl- und – weibl aufstellen, Erdäpfel stecken, anhäufeln und ernten, mit den Kühe-, Ochsen- und Pferdegespann fahren, Wasser aus dem Brunnen pumpen, mit dem Karren fahren, schlachten und wursten, den Garten richten, Essen kochen, Haus und Hof putzen, Butter stampfen, waschen, bügeln, flicken, Obst und Gemüse einmachen, später –eindosen, um schließlich am Abend dann hundemüde auf dem Hausbankl zu sitzen.

Kornmandln

Lein

Daneben konnte man noch Rechen und Besen binden, Körbe flechten, Ledergeschirre anfertigen, Bürsten machen, Spinnrad-, Fass- und Waschbottiche büttnern, Werkzeuge schmieden und reparieren, Zäune bauen und reparieren, Holzkreuze anfertigen, Marterl aufstellen und pflegen uns so vieles andere mehr.

Alte Mistgabel

Was wissen Sie noch von der „guten alten Zeit“?

Schreiben Sie es bitte auf und / oder melden Sie sich doch einfach bei der Heimatpflegerin Marianne Moosburger in der Vilsstr. 6 in Hahnbach, Tel. 09664 – 1634.

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