Gemischter Chor Hahnbach bringt erstmals zwei Chorsätze von Johann Baptist Weigl mit Orgelbegleitung zu Gehör

Eine absolut hörenswerte Premiere bietet der Gemischte Chor Hahnbachs an diesem Samstag, 25. März 2023, im Rahmen der Vorabendmesse um 18 Uhr in der Pfarrkirche St. Jakobus

Chorleiter Andreas Hubmann ist überzeugter „Weigl-Fan“ und der große Chor wird nun erstmals in Hahnbach zwei Chorsätze von Johann Baptist Weigl mit Orgelbegleitung zu Gehör bringen.

Andreas Hubmann hat diese selber in der Staatsbibliothek in München ausfindig gemacht und einstudiert.

Johann Baptist Weigl, einer der großen Söhne Hahnbachs, wurde vor 240 Jahren im damaligen Haus Nummer 130, am 26. März 1783 geboren.

Seine Eltern waren Caspar Weigl, Bürger, Maurergeselle und Nachtwächter und Anna Maria Weigl, geb. Käufl, Webermeisterstochter aus dem Haus Nr. 55. Diese waren Besitzer eines kleinen Anwesens, worauf auch eine Gedenktafel an seinem Geburtshaus in der jetzigen Mühlstraße 17 hinweist.

Kurz zu Johann Baptist Weigl

In Weigls Nachbarschaft wohnte Benefiziat Meyer. Dieser erkannte schon sehr bald das musikalische Talent des Kleinen und erteilte ihm bereits mit vier Jahren Unterricht in Musik und Gesang. Mit sieben Jahren verschaffte er ihm die Aufnahme in das Kloster Prüfening als „Singknabe“. Bis zu seinem zehnten Lebensjahr war Weigl dort.

Dort und später dann am Gymnasium in Amberg erhielt er seine musikalische Ausbildung und die Voraussetzungen für weitere Studien. „Gleich wie in allen Gymnasialklassen war er an den beiden Lyceen in allen Kursen allezeit der Erste gewesen und hat gierig jede Gelegenheit zur Weiterbildung ergriffen“, hält auch Dr. Heribert Batzl in der Hahnbacher Chronik fest.

1801 kehrte er zum Benediktinerorden nach Prüfening zurück und erhielt den Ordensnamen Frobenius. Mit 27 Jahren, nach seiner Priesterweihe am 31. Mai 1806, wurde er Katechet und Vizeinspektor an dem vornehmen, adeligen Mädchenpensionat im Kloster „De Notre Dame“, also „Unserer Lieben Frau“, in Stadtamhof, im Norden Regensburgs.

Es folgten weitere Berufungen zum Professor, zu Rektoratsführungen, bis hin zum Domkapitular und Verantwortlichen für die Kirchenmusik im Dom St. Peter zu Regensburg. Auch fungierte er als Vorsteher des Ehegerichts der Diözese.

In all seinen Funktionen fand er „allgemein hohe Anerkennung als Gelehrter und Wissenschaftler“. Noch heute zeugen von seinem Talent ungezählte Bücher und Kompositionen in den bischöflichen Archiven in Regensburg, Eichstätt und in der Staatsbibliothek in München.

Aber nicht nur für den kirchlichen Gebrauch engagierte sich Weigl. Er schrieb auch 40 Schullieder, Kantanten, Kanons und manches mehr. Vieles davon befindet sich bis heute in der Proske-Musik-Bibliothek im bischöflichen Zentralarchiv in Regensburg.

Weigl war aber nicht nur musikalisch begabt, er publizierte 1811 ein 560 seitiges Lehrbuch über die Rechenkunst, die Arithmetik und Algebra, „zum öffentlichen Gebrauch und Selbststudium“, welches in ganz Deutschland und selbst in England Verbreitung fand.

Zudem wies er nach, dass die auf den römischen Mönch Dionysius Exiguus zurückführende Zeitrechnung um vier Jahre zu spät dran sei, was ja mittlerweile als allgemein anerkannt gilt.

Seine Kenntnisse, vor allem der „toten Sprachen“ wie Latein, Altgriechisch und Althebräisch, sollen ebenso „hervorragend“ gewesen sein. Große Anerkennung erhielten auch all seine Übersetzungen.

Beim bekannten Sulzbacher Verlag des Johann Esaias von Seidel ließ Weigl viele seiner Veröffentlichungen drucken. Auch hielt er die Festpredigt zur Einweihung des Hahnbacher Klosters der Armen Schulschwestern unserer Lieben Frau am 28. August 1842 und die zur 1100-Jahrfeier unserer Diözese im Dom St. Peter in Regensburg.

Bemerkenswert ist auch seine 78seitige Biographie über Maximilian Prechtl, den aus Hahnbach stammenden letzten Abt des Klosters Michelfelds.

Zu Recht wurde Weigl „wegen seines segensreichen Wirkens und seiner großen Verdienste um Schule, Staat und Kirche“ mit dem Ritterkreuz I. Klasse des königlich bayerischen Verdienstordens des heiligen Michaels dekoriert. „Höchste Ehre“ wurde ihm zuteil, als er am 27. Juli 1850 zum „außerordentlichen Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften“ ernannt wurde.

Mit 69 Jahren verstarb Weigl in Regensburg am 6. Juli 1852 an einer Lungenlähmung.

In der Hahnbacher Pfarrkirche befindet sich bis heute eine wahrhaft große Erinnerung an den berühmten Sohn des Marktes.

Es ist dies jenes überdimensionale Kreuz im Turmzimmer, welches Johann Baptist Weigl 1819 der Pfarrkirche St. Jakobus gestiftet hat und neben dem würdig der Toten der Pfarrgemeinde gedacht wird.

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