Vilseck: Alte Gaststätten – Casino

Das Casino zog in den 1960er Jahren die Vilsecker Jugend sowie viele Amerikaner an. Die Aufnahme zeigt das Gebäude von der Bahnhofstraße aus

Ein weiteres Vilsecker Lokal soll ebenfalls nicht vergessen werden, nämlich das Casino. Im Hof der Familie Hösl, also hinter der Bäckerei, befand sich ein Stadel, der um 1956 ausgebaut und an Herrn Puchal und Frau Rosa Kohl verpachtet wurde, die sich darin ein Lokal einrichteten und es Casino nannten.

Sie statteten den Gastraum mit einem Billardtisch, einem Kickerkasten und einem Flipperautomaten aus. An der Außenwand des Hauses war zu lesen: Casino, Café-Restaurant, Fremdenzimmer.

Rosa Kohl führte dort das Geschäft. Die Theke mit den hohen Barhockern war ständig umlagert. Hier wurden die Besucher mit den verschiedensten Drinks versorgt.

In Erinnerung bei älteren Besuchern ist noch eine Bedienung namens Musch. Sie kam aus dem Frankenland und wohnte damals in Axtheid.

Einstige Gäste berichten, dass sich die Jugend im Casino gerne an dem großen Billardtisch vergnügte. Dort wurde manchmal auch um Geld gespielt. Das Zugpferd des Lokals aber war die Musikbox, die nie stillstand. „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“, gesungen von Connie Francis, war Anfang der 1960er Jahre der Hit und wurde ohne Ende gespielt.

Zur damaligen Zeit war das Casino das Lieblingslokal der im Südlager stationierten amerikanischen Soldaten. Wenn sie dort dem Alkohol zu stark zugesprochen hatten, artete der Abend meist in Tätlichkeiten aus. Da flogen auch schon mal die Stühle, und somit war auch die Militärpolizei dort häufig vor Ort. Soldaten, die keinen Ausgang hatten, wurden dann abgeführt und zu ihrer Einheit zurückgebracht.

Ab und zu gab es im Casino auch Livemusik. Die Band, die dort ab 1966 manchmal in der alten Turnerbaracke am Ziegelanger probte und gerne sporadisch für die Gäste spielte, bestand aus den Vilsecker Burschen Franz Kohl, Donald Orszulak, Peter Schedl und Franz Piehler. Sie nannten sich „Vampires“ und spielte gerne für die Casinogäste.

(von links) Peter Schedl, Franz Kohl, Donald Orszulak und Franz Piehler

Auch aus Weiden war hin und wieder eine Band zu Gast.

Der gläserne Tanzboden war von unten beleuchtet, und die Paare konnten sich in den angebrachten Wandspiegeln betrachten. Rote Samtvorhänge brachten eine gewisse Atmosphäre in den vom Zigarettenrauch geschwängerten Raum.

Dies alles lockte Besucher an, und so traf man sich in den Sechziger-Jahren gerne im Casino. Oft war das Lokal an den Sonntagen bereits nachmittags zur Kaffeezeit schon voll besetzt.

Ende 1968 übernahm der erste Italiener in Vilseck, Roberto Ambrosi, das Lokal und wandelte es in eine Pizzeria um. Ab und zu spielte dann im Casino auch eine echte Amateur-Rockband aus Italien, die Rayon X.

1971 wurde das Casino geschlossen und stand dann jahrelang leer. Zu den Mietswohnungen im ersten und zweiten Stock kamen später auch im Erdgeschoss Wohnungen hinzu.
 

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