Vilseck: Erdäpfl-Grob’m in alten Zeiten

Bis in die 1960er Jahre mussten sich die Bauern und ihre Familienmitglieder bei der Kartoffelernte noch sehr plagen. Hier ist zu sehen, wie die Familie Schertl (Schatl), jetzt Rubenbauer, aus der Kirchgasse auf ihrem Acker an der Krankenhausstraße mit dem Erdäpfl-Klauben beschäftigt ist

Die Zeiten sind vorbei, als man in Bayern die Erdäpfl noch in Handarbeit und nur mit einem Kraal (Hacke) aus der Erde buddeln musste. Die ganze Familie, Jung und Alt, war beim Erdäpfl-Grob’m auf dem Acker und musste beim Erdäpfl-Klauben mithelfen.

Aber auch während des Jahres gab es auf dem Acker viel zu tun. Vom Erdäpflschmeißn (Setzen) über das Kartoffelkäfer-Entfernen, das Unkrautjäten und Aufhäufeln der Beete war eine Bauersfamilie gut beschäftigt.

Froh war man, wenn die wertvollen Knollenfrüchte dann endlich im Keller waren. Sie mussten bis ins Frühjahr reichen. Auch als Schweinefutter brauchte man sie dringend. Die kleinen Knollen wurden aussortiert. Sie dienten als Saatkartoffeln. Für den Zeitpunkt des Setzens gab es einen Spruch, der aus der Sicht des Erdäpfls lautete: „Schmeißt mi im April, dann kumm i wann i will; schmeißt mi im Mai, dann kumm i glei!“

Längst sind für die meisten Arbeiten moderne Maschinen im Einsatz. Mitte der 1950er Jahre legten sich einige Bauern schon einen Bulldog und einen Kartoffelroder (Schleiderer) zu. Später gab es den Vorratsroder und etwa um 1970 einen Vollernter, der die Feldarbeit wesentlich erleichterte. Nach wenigen Stunden war ein ganzes Areal abgeerntet.

Nach dem Jahr 2000 gab es im Bereich Vilseck kaum mehr Landwirte, die Kartoffeln anbauten. Trotzdem kann man überall Erdäpfl kaufen, ohne dass jemand Hand anlegen muss – wie im Schlaraffenland!

  • Aufrufe: 431
AWZ-HAHNBACH