Vilseck: Fortsetzung der Rathausserie - Vilseck von 1864-1879 (ohne Rathaus)

1865 errichtete der bayerische Staat auf dem Vilsecker Marktplatz an der Stelle des abgebrannten Rathauses das Landgerichtsgebäude

Setzen wir nun unsere Serie über die Vilsecker Rathäuser fort. Aus der Schulzeitung von 1963 erfahren wir, wie es nach dem Brand des zweiten Rathauses weiterging.

1864 war also das schöne große Rathaus mitten auf dem Marktplatz ein Opfer der Flammen geworden. Weil aber der Stadt die finanziellen Mittel zum Wiederaufbau fehlten, verlegte sie ihre Magistratskanzlei vorübergehend und notdürftig in ein Zimmer des Spitalgebäudes in der Froschau und überließ das Ruinengrundstück und weitere 644 Quadratfuß Grund schweren Herzens und unentgeltlich dem bayerischen Staat.

Auch schenkte man ihm die Brandentschädigungssumme von 3155 Gulden zum Bau eines Landgerichtsgebäudes mit der Bitte, zwei Zimmer für die Magistratskanzlei einzubauen. Schließlich möge auch nicht vergessen werden, dass Vilseck 1838 sein eigenes Rathaus für das Landgericht zur Verfügung gestellt und 4000 Gulden für den Aus- und Umbau bezahlt hatte.

Aber 1865 lehnte das Staatsministerium der Justiz in München die eindringliche Bitte der Vilsecker ohne Begründung ab, worüber man sehr verärgert war. Noch dazu musste die Stadtverwaltung 1869 das Zimmer im Spitalgebäude für die Unterbringung von Pfründnern wieder räumen, weil es die Spitalstiftung dringend benötigte.

Inzwischen hatte der bayerische Staat auf dem Marktplatz ein großes, neues Gerichtsgebäude errichtet. So wandte sich die Stadt erneut an das Justizministerium um unentgeltliche Überlassung von zwei Zimmern im neuen Gebäude. Diesmal hatte man mehr Glück, denn das Gesuch wurde am 21. August 1869 für vier Jahre genehmigt.

Das Zimmer links des Eingangs wurde Registratur, das Zimmer rechts Magistratskanzlei. Weil der Fußboden mit Kelheimer Steinplatten belegt und damit für ein Amtszimmer zu kalt war, wurde darüber ein auf Lagerhölzern ruhender Bretterboden gelegt. Das hatte aber zur Folge, dass der neue Fußboden viel höher als die Eingangsschwelle war. Deshalb musste der Sturzbogen über der Tür ausgebrochen und höher gesetzt werden.

Außerdem wurde ein Kachelofen eingebaut, um das Zimmer heizen zu können. Für die Lagerung des hierzu notwendigen Heizmaterials stellte der Vorstand des Landgerichts freiwillig sein Bügelzimmer zur Verfügung.

Die Arbeiten für den Umbau führten aus: Maurermeister Friedrich Maulbeck, Zimmermeister Joseph Kopf, Schreinermeister Franz Ringer und Hafnermeister Johann Apfelbacher. Im Landgerichtsgebäude, das man keineswegs als Rathaus bezeichnen konnte, verblieb die Magistratskanzlei bis zum 17. Oktober 1879.

1879 wurde Vilseck Amtsgerichts-Sitz. Das Gebäude mitten auf dem Marktplatz wurde 1973 abgerissen

Fortsetzung erfahren wir, wie sich die Stadtväter um ein neues Gebäude bemühten, um die rathauslose Zeit zu beenden.

Serie über die Vilsecker Rathäuser - Das erste Vilsecker Rathaus von 1380 - 1522

Serie über die Vilsecker Rathäuser – Teil 2: Das zweite Vilsecker Rathaus von 1553 - 1864

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