Vilseck: Alte Geschäfte – Schönl, Winter und Eigen

Drei weitere einstige Vilsecker Geschäfte, die inzwischen der Vergangenheit angehören, werden heute in dieser Serie unter die Lupe genommen.

Kinder von der Grabenstraße trafen sich gerne vor dem Schaufenster des kleinen Tante-Emma-Ladens der Maria Schönl, wie hier im Jahre 1968. (von links)Andreas Schönl, Brigitte Ertl, Bärbel Stadler, Anton Friedl und sitzend Georg Nettl

„Bei der Schönl Mare am Grobm haouts immer so guate Negerkuß-Semmeln gebm“, erinnert sich ein „erwachsenes“ Schulkind und schwärmt noch heute von dem kleinen Kramerladen in der Grabenstraße.

Die Besitzerin Maria Schönl (1913 – 1993) war gelernte Schneiderin, wovon sie aber nicht leben konnte. So wurde für sie in einem Anbau des Schönl-Hauses ein kleines Geschäft eingerichtet.

Von früh bis spät konnte man dort alles, fast alles kaufen, was das Herz begehrte. Es war ein sogenannter Unverpackt-Laden, wie man heute sagt, denn zum Beispiel Zucker, Mehl, Sauerkraut, Essig, Backsteinkäse, Brat- und Bismarckheringe mit viel Soße waren nur „offen“ erhältlich.

Selbst Schokolade gab es stückchenweise für ein Fünferl pro Ripperl. Manche Kunden kamen regelmäßig in den Laden, um sich mit Schnupftabak, Sechsämtertropfen und Zigarren einzudecken.

Die Bauern aus Ebersbach und Adlholz waren froh, sonntags nach der Kirche schnell noch etwas zu bekommen. Neben Lebensmitteln gab es auch Waschpulver, Unterwäsche, Strümpfe, Wolle, Wein und Kümmelschnaps.

Obwohl der Platz im Laden knapp war, verkaufte die Schönl Mare für die Bäckerei Flierl später auch noch Brot, Semmeln und andere Backwaren.

Vor und nach der Schule drängten sich die Kinder in den Laden, um für 10, 20 oder 30 Pfennige Süßigkeiten, Eis oder eine Fleischsalatsemmel zu kaufen.

Mit den aufkommenden Supermärkten rentierte sich das Geschäft nicht mehr. Als Maria Schönl wegen Krankheit den Laden nicht mehr betreiben konnte, kümmerte sich ihre Schwägerin Kathi noch einige Zeit um das Geschäft, bis 1989 endgültig Schluss war. Und so bleibt nur noch die Erinnerung an die gute, alte Zeit und an den kleinen Laden von der Schönl Mare.

Von der Grabenstraße ist es nicht weit zur Kirchgasse. Über die Stufen beim Eierer (Tschung) geht es hinauf zur Pfarrkirche und über die großen Kirchenstaffeln auf der anderen Seite wieder hinunter.

Am Fuße der Treppe war gleich links nach dem Frühmesser-Haus (jetzt Philipp Lindner) die nächste Kolonialwarenhandlung, nämlich die von Anna Winter, geb. Schertl, Hausname Gasslschouster.

Den kleinen Laden von Anna Winter in der Kirchgasse Nr. 14 betrieb Georg Soschinka bis etwa 1965 weiter. Unter der Ladentüre beobachtete auch Tochter Hannelore 1956 die Hochzeit des Nachbarn Hans Weiß und seiner Frau Erna Edl

Michael Winter (1886-1976), Arbeiter in der Propstsäge, heiratete die Ladenbesitzerin, die jedoch schon 1956 verstarb. Sohn Hans, Finanzbeamter in Schwabach, verpachtete danach den Laden und die unteren Wohnräume an den Schlesier Georg Soschinka und dessen Familie.

Der tüchtige Kaufmann betrieb das Geschäft zusammen mit Tochter Hannelore etwa bis 1965. Nachbarn, Lehrer und Schulkinder waren Stammkunden in dem gutgehenden kleinen Laden.

Nach Wegzug der Familie Soschinka erwarb die Nachbarsfamilie Weiß (Zöigler) 1973 das Winter-Anwesen und baute es zu einem Wohnhaus um.

Auf der anderen Straßenseite, Kirchgasse Nr. 5, befand sich bei Eigen, besser bekannt als Neibeck, ein weiteres Geschäft, nämlich eine Drogerie. Der Hausname Neibeck besagt, dass im Gebäude bis 1913 die Backstube des „neuen Bäckers“ gewesen ist.

Das Hochzeitsfoto von Josef und Maria Eigen entstand im Februar 1962 vor dem Haus in der Kirchgasse. Links ist noch ein Teil des Drogerie-Schaufensters zu sehen. Das Geschäft befand sich etwa zehn Jahre im Neibeckn-Haus

Danach war der Neibeck in erster Linie als gutgehendes Wirtshaus bekannt. Im linken Teil des Hauses hatte sich Peter Völkel eine Filiale seiner Amberger Drogerie eingerichtet. Diese befand sich schon einige Jahre in der Kirchgasse, nämlich im Donhauser-Haus, jetzt Andraschko.

Drogist Florian Nübler arbeitete als Geschäftsführer; Christa Baumann und Marielene Graßler waren Lehrlinge. Die Ladentüre befand sich zwischen den beiden Schaufenstern. Als die Drogerie Mitte der 1960er Jahre zu Familie Zahn auf den Marktplatz kam, mietete Schuhmacher Franz Gutmann, Sohn des Stadtkapellmeisters, die Räume und errichtete darin ein Schuhfachgeschäft.

In den 1970er Jahren übernahm er dann das elterliche Schuhgeschäft in der Grabenstraße. Nachfolgend unterrichtete die Fahrschule Birner aus Auerbach noch einige Jahre beim Neibeck ihre Führerscheinanwärter.

Um 1973 richtete sich Familie Eigen in den ehemaligen Geschäftsräumen ein Wohnzimmer ein. Tochter Maria Kontny erinnert sich noch gut an das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 1974, als sich alle damaligen Wirtshausgäste im neuen Wohnzimmer versammelten und lautstark den Deutschland-Sieg bejubelten.

Die kleine Wirtschaft war weiterhin gut besucht. Die Gäste trafen sich dort gern an den Gesellschaftstagen am Stammtisch zum Karteln und schätzten die gemütliche Atmosphäre der urigen Gaststube. Als der Neibeckn Sepp 1987 starb, führte seine Gattin Maria das Wirtshaus noch bis 1999 weiter.

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