Vilseck: Einst Stadtweiher – jetzt Vilsauen Kleingärtner-Paradies

Sonntagsspaziergang in den 1950er Jahren durch den trockengelegten Stadtweiher

Schon seit jeher taucht in Vilseck immer wieder der Begriff „Stadtweiher“ auf. Blicken wir mal in die Geschichte dieses Gewässers zurück.

Als im Jahr 1433 die Hussiten die kleine oberpfälzische Stadt bedrohten, hemmten die Vilsecker bereits den Wasserlauf der Vils. Vor dem Vils-Tor (Alte Apotheke) bauten sie einen Damm, und schufen dadurch den 38 Tagwerk (= 12,948 Hektar) großen Stadtweiher, der die Annäherung von Feinden behindern sollte. Auf einer alten Karte ist zu sehen, dass es den Stadtweiher vor den Toren Vilsecks schon ab 1437 gab.

1437 wurde die Vils aufgestaut und der Stadtweiher angelegt, um die Stadt Vilseck vor Feinden zu schützen

Da es in den zahlreichen Weihern um Vilseck, die vor Jahrhunderten schon auf etwa 1000 geschätzt wurden, einen großen Fischreichtum gab, war auch die Teichwirtschaft für den Wohlstand Vilsecks sehr bedeutungsvoll und erträglich.

In der Chronik heißt es:

„Sehr begehrt in der bischöflichen Bamberger Hofküche waren die Vilsecker Krebse, die dorthin durch eigene Boten geliefert wurden.“

So war auch der Stadtweiher bald verpachtet und wurde jährlich abgefischt. Außerdem hatte er einen hohen Freizeitwert. Manches junge Paar fuhr mit einem Kahn sonntags zu der kleinen Insel im Kessel. Die Kinder gingen im Stadtweiher schwimmen und vergnügten sich im Winter beim Schlittschuhlaufen. Doch Anfang des 20. Jahrhunderts sollte es damit zu Ende sein.

1924 trat die Stadt Vilseck der neugegründeten Wassergenossenschaft zur Vilsregulierung bei. Nach dem Beschluss von 1926 wurde mit der Trockenlegung des Stadtweihers begonnen. Weil dazu viele auswärtige Arbeiter benötigt wurden, erbaute man für deren Unterbringung am Vogelturm das sogenannte Vilshaus.

Die gesamte Vilsregulierung von Gressenwöhr bis Bruckmühle, einschließlich Triebwerks-, Brücken- und Straßenbauten, dauerte bis Ende 1931 und verschlang drei Millionen DM. Die Vils war nun begradigt und in ein festes Bett gezwungen.

1936 gründete sich ein Kleingärtnerverein, der gleich zu Beginn 75 Mitglieder zählte. Baumeister Georg Kohl war der erste Vorstand. Die Stadt Vilseck wies dem jungen Verein Teile des Stadtweihers für das Anlegen von Gärten zu; der Rest wurde an Kleinlandwirte aus Vilseck und Axtheid verpachtet.

In mühevoller Arbeit machten die ersten Kleingärtner aus dem trockengelegten Torfboden brauchbare Flächen, die auch bald gute Erträge abwarfen. Einheimische und Heimatvertriebene waren froh, im Stadtweiher ihr eigenes Gemüse, Kartoffeln und Erdbeeren anbauen und ernten zu können. Oft aber überschwemmte das Hochwasser der Vils die kleinen Gärten und machte die Erträge zunichte.

Rosi Hasenstab erinnert sich:

„Unser Leit hom aa an Stoodtweiher-Daal (Teil) ghabt. Mit’m Loiterwagl san mei Schwester und ich immer hinte gfoahrn und hom mit der Großmutter Erdäpfl gholt. Aa Bahner (Bohnen), Kraut, Kohlrabi und Salat san im Stoodtweiher guat gwachsn. Hinterhal‘ woar a kloiner Grobm. Daou hom ma immer es Wasser assergschöpft zum Göißn, und daou bin i amal eikuglt. Naou hom ma schnell wieder hamfoahrn möin!“

In der Blütezeit des Kleingärtnervereins von 1945 bis 1953 stieg die Mitgliederzahl unter Vorstand Georg Spießl auf 170 an. 1960 wurde Reimar von Cramon zum Vorsitzenden gewählt, ihm folgten Franz Kreuzer, Willi Bücherl und Heinrich Högl. Seit 2020 steht Maik Klinger dem Kleingärtnerverein mit derzeit 23 Mitgliedern vor.

2015 wurde die begradigte Vils wieder aus ihren Zwängen befreit. Nach der erfolgten Renaturierung schufen sich die Kleingärtner in den Vilsauen wahre Paradiese. Die Parzellen dienen nun weniger dem Gemüseanbau sondern mehr der Erholung. Viele genießen die Freizeit in ihren schmucken Schreber-Gärten und Gartenhäuschen.

Seit der Renaturierung der Vils 2015 sind die Kleingarten-Grundstücke harmonisch in die Vilsauen integriert

In einem Gedicht schildert um die Jahrhundertwende der damalige Amtsrichter Ludwig Zölch seinen unglücklich endenden Aufenthalt im Stadtweihergebiet mit folgenden Versen

Die Insel
Gedicht von Amtsrichter Ludwig Zölch

Zwischen Bäumen lauschig versteckt,
hab ich die herrlichste Insel entdeckt.
Schnell durch die Wellen trug mich der Kahn,
und an der Insel legte ich an.

Taucht in der Fluten köstliches Nass,
sprang an das Ufer, warf mich ins Gras.
Lockten mich Träume aus meiner Ruh,
kommst zu wecken mich, Vilsnixe du?

Nahst du dich wirklich, holdselige Frau?
Als ich erwache, was ich schau?
Ach, keine Nixe und keinen Geist!
Es ist eine Grasfrau, die Kathl heißt.

Und aus ihrem Mund dringt ein Geschrei,
dass man halbnackt sehr mangelhaft sei.
An diesem Tag ich die Insel verlies;
Geh zum Baden wieder zum Riß!

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