Vilseck: Alte Geschäfte – Seegerer

Mit der Goldenen Medaille wurde die Drechslerei Gregor Seegerer bei der Bayer. Landesausstellung in Nürnberg 1906 ausgezeichnet. Hier die damaligen Mitarbeiter in der Vilsecker Werkstatt

Heute geht es um das Haus Seegerer in der Vorstadt. Hier hatte Gregor Seegerer eine Drechslerei. Im Jahre 1906 erhielt sein Betrieb bei der Bayerischen Landesausstellung in Nürnberg sogar die Goldene Medaille. Sohn Michael übernahm 1910 den gutgehenden Drechsler-Betrieb.

1917 gab es in der Vorstadt einen großen Brand. Die Häuser Pröls (Kirschner), Honig und Seegerer sowie die rückwärtigen Nebengebäude wurden ein Raub der Flammen.

Dem Großbrand 1917 in der Vorstadt fielen drei Häuser zum Opfer, darunter war auch das Seegerer-Haus

Michael Seegerer kaufte den Brandplatz seines Nachbarn hinzu und baute sein Haus samt Drechslerei wieder auf. Vor dem Gebäude gab es bis Ende der 1940er Jahre auch die Tankstelle Seegerer.

Im Erdgeschoss des Wohnhauses links entstand ein Laden für Drechslerei-Produkte, Bedarfs- und Geschenkartikel, den Tochter Kathi Seegerer (später Koller, Amberg) betrieb. Nach dem Krieg übernahm Hans Seegerer 1946 die Drechslerei; seine Schwestern Zenzi Seegerer und Anna Stadler führten den Laden.

Die beiden Schwestern Kreszentia Seegerer (links) und Anna Stadler führten mehr als 20 Jahre lang erfolgreich den Laden

Sie erweiterten das Sortiment und machten das Geschäft in den 50er und 60er Jahren zu einer gefragten Adresse für viele Kunden aus Vilseck und Umgebung. Sogar die amerikanische Bevölkerung kaufte gerne dort ein, denn es gab auch Souvenirs aller Art.

Das umfangreiche, wertvolle Sortiment konnte man durchaus mit dem Angebot eines Kaufhauses gleichsetzen. Von Geschenkartikeln, über Leder-, Spiel-, Textil-, Haushalts- und Tabakwaren gab es bei Seegerer alles, was das Herz begehrte.

Frau Seegerer und Frau Stadler waren für ihre Zeit zwei moderne, erfolgreiche Geschäftsfrauen, die ganz in ihrem Beruf aufgingen. Langjährige Erfahrung, dazu ein Netz an ausgesuchten Lieferfirmen garantierten den Erfolg. Erstaunlich war, wie anschaulich dieses reihhaltige Sortiment in dem relativ überschaubaren Ladenraum präsentiert wurde.

Viele Mädchen wurden dort kaufmännisch ausgebildet, und für sie traf durchaus der Satz zu: Lehrjahre sind keine Herrenjahre! „Wir waren jeden Tag gefordert, und es wurde viel von uns verlangt“, erinnert sich ein ehemaliges Lehrmädchen. „Aber im Gegenzug wurden wir, meist an Weihnachten, mit großzügigen Geschenken belohnt.

Am sogenannten Langen Samstag, einmal im Monat, bekamen wir im Geschäft in der Mittagspause immer ein warmes Essen. Wenn uns persönlich etwas vom Sortiment gefiel und wir es erwerben wollten, zog uns Frau Stadler den Gegenwert am Monatsende von unserem Lohn ab. So blieb manchmal nicht viel Bares übrig. Bei der Inventur am Jahresende half die ganze Großfamilie Seegerer mit.“

Das große Schaufenster war immer toll dekoriert. Die Vilsecker Kinder drückten sich daran die Nasen platt und hofften in der Weihnachtszeit, dass das Christkind bei Seegerer einkaufen möge. Schon im Advent konnte man auf Knopfdruck die elektrische Eisenbahn im Schaufenster herumflitzen sehen.

Das Seegerer-Haus mit dem großen Schaufenster; in den Räumen rechts befand sich von 1918 bis 1970 das Vilsecker Postamt

Nach der Schließung des Ladens Ende der 1960er Jahre vermieteten Hausherr Hans Seegerer und später sein Sohn Karl die Räume. Es folgten die Reinigung Stinner, ein Sonnenstudio und die Fahrschule Rappl.

Nach dem Großbrand am Marktplatz im Jahr 2000, dem das Kredler-Haus zum Opfer fiel, konnte Familie Kredler ihr Edeka-Geschäft in den Seegerer-Räumen vorübergehend fortsetzen.

So herrschte im Seegerer-Haus immer ein Kommen und Gehen. Neben dem Hauseingang rechts zog bereits um 1918 das Postamt ein. Es befand sich dort bis 1970. Ihm folgten 25 Jahre lang das Obst-und Gemüsegeschäft Postrach, dann Schmuck-Kaba und später noch ein Handy-Laden.

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