Vilseck: Burschenverein gibt’s seit 1971 nicht mehr

Die Fahnenabordnung des Burschenvereins etwa um 1953. Gut sahen sie aus, die jungen Burschen mit ihren feschen Hüten. In der Mitte hinter der Vereinsfahne der spätere Vorsitzende, Ludwig Zeitler, genannt Grätzn Luck

Vor fast 120 Jahren wurde er ins Leben gerufen, der Burschenverein „Concordia“ Vilseck. Seit 1971 aber gibt es ihn nicht mehr. Seitdem gerät er mehr und mehr in Vergessenheit. Greifen wir das Thema „Burschenverein“ noch einmal auf und blicken in die Vergangenheit zurück.

1903 gründeten junge, ledige Männer diese Vereinigung und gaben sich den Namen Concordia, was soviel wie Harmonie bedeutet. Die Mitglieder hatten monatlich 20 Pfennig Beitrag zu bezahlen. Jährlich veranstaltete man ein Tanzkränzchen mit Livemusik.

Bald bildete sich innerhalb des Vereins eine sehr aktive Theatergesellschaft zur Freude aller Mitbürger. Die Akteure brachten anfangs meist Einakter zur Aufführung. Titel wie „Der alte Schmuggler“ und „Das blutige Edelweiß“, waren zeitgemäß und füllten den Specht-Saal.

Das Hauptaugenmerk des 1903 gegründeten Burschenvereins lag auf dem Theaterspielen. Hier die Theatergesellschaft der „Concordia“ anfangs des 20. Jahrhunderts


Woher weiß man das alles? Mathilde Zeitler, Gattin des ehemaligen Vorstands Ludwig Zeitler, genannt Grätzn-Luck, hat eine große Schachtel mit Unterlagen aufbewahrt.

„Eine wahre Fundgrube“, meint Rosi Hasenstab, die sich auf Nachforschung begab. „Im Einnahmen- und Ausgabenbuch findet man viel Interessantes, auch wer der jeweilige Kassier, Schriftführer und Vorsitzende war.“

Da liest man vom Rekrutenabschied, Burschenball, Silvesterfeier und von der Anzahlung für die Anfertigung einer eigenen Fahne an das Kloster Michelfeld. Die Fahnenweihe wurde 1929 mit großem Aufwand gefeiert. Tugend, Ehrenhaftigkeit, Frohsinn & Scherz und Heimatliebe; diese Leitgedanken hat man sich im wahrsten Sinne des Wortes in alle vier Ecken auf die Fahne geschrieben.

Während des Dritten Reiches ruhten die Aktivitäten. Im Juli 1951 erfolgte mit viel Elan die Neugründung. Das Theaterspielen wurde rasch wieder aufgenommen. Man wagte sich sogar an „Lumpazivagabundus“, eine Zauberposse mit Gesang von Johann Nestroy. Faschingszug-Teilnahmen und Christbaumversteigerungen standen ebenfalls auf dem Programm.

Auch wurde alljährlich die Vilsecker Kirwa wieder aufgezogen. Franz Winkelmaier holte mit seinem Pferdefuhrwerk den Kirwabaum aus dem Wald, der dann im Specht-Garten aufgestellt wurde. Danach ging es drei Tage lang feucht-fröhlich zu, wie man sich denken kann.

Schneidig kamen sie daher, die jungen Burschen mit ihren feschen Hüten! Kein Wunder, dass die Mädchen ihnen in Scharen nachliefen.

Groß gefeiert wurde im Juni 1963 das 60-jährige Gründungsfest. Aus dem Erlös stiftete man 1964 ein Plantschbecken für den Kindergarten und Spielgeräte für den Graben-Spielplatz.

Da die jungen Männer mit dem Tag ihrer Heirat aus dem Verein ausschieden, war eine lange Mitgliedschaft selten. Und so wechselte häufig und oft überraschend schnell auch die Vorstandschaft.

Nach Karl Winter, Max Hammer, Ludwig Zeitler und Franz-Josef Weiß folgte als letzter Vorsitzender Wolfgang Dorner, der 1969 mit seinen Vorstandskollegen die letzte Kirwa im alten Kino organisierte.

1971 schlief der Burschenverein allmählich ein. Übriggeblieben ist die schöne Vereinsfahne. Sie wird im FV-Sportheim auf Initiative von Karl Liermann in einer Glas-Vitrine aufbewahrt, nachdem sie zuvor auf dem Dachboden des Rathauses gelagert war.

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