Vilseck: Alte Vilsecker Geschäfte - Wirtshaus Hammerspecht

Das Hammerspecht-Anwesen um 1900. Vor dem Haus stehen Fannys Eltern mit ihren Kindern

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befand sich das Wirtshaus vom Hammer-Specht. Früher gab es in Vilseck viele Wirtshäuser, in denen gerne eingekehrt wurde. Zuhause hatte man ja noch keine Fernsehapparate. Unterhaltung und Abwechslung gab es meist nur in den Gaststätten, so auch hier bei der Hammerspecht-Fanny.

Aus der Chronik weiß man, dass 1825 in der Froschau 14 Anwesen niederbrannten. Die Häuser wurden wieder errichtet, aber die Stadel durften nicht mehr in den Höfen aufgebaut werden, da die Brandgefahr zu groß war. Es entstanden dann die Stadel im Burghof und in der Schlichter Straße.

So war auch die Haus-Nummer 70 von einem Brand betroffen. Die Eigentümer hießen damals Specht. Die nachfolgenden Besitzer waren Anton Hammer (1872-1936) und Barbara, geb. Zielbauer (1882-1967). Sie hatten vier Kinder und betrieben einen Bauernhof, eine kleine Metzgerei und ein Wirtshaus.

Nach dem Tod der Eltern übernahmen Sohn Martin (1908-1965) und Tochter Franziska (1917-2015) das Anwesen. Martin, ein gelernter Metzgermeister, führte neben der Landwirtschaft die Metzgerei weiter. Fanny kümmerte sich hauptsächlich um das Gasthaus. Im Hausgang ging es rechts in den kleinen Metzgerladen, wo man das Geräucherte, die guten Bauernseufzer und die beliebte Stadtwurst kaufen konnte.

Nach dem frühen Tod von Martin war es mit der Metzgerei zu Ende. Die Landwirtschaft konnte dank nachbarschaftlicher Mithilfe noch einige Zeit aufrecht erhalten werden.

Die Hammerspecht-Fanny, eine gute Alt-Sängerin im Kirchenchor, war Wirtin mit Leib und Seele. Das Wirtshaus, das täglich geöffnet war, hielt sie jung. Sie liebte es, wenn die Arbeiter nach Feierabend bei ihr einkehrten.

Die Gaststube hatte einen urgemütlichen Charakter, denn es wurde darin nie etwas verändert oder modernisiert. Der alte Fußboden und die hölzerne Wandverkleidung sind noch heute erhalten. Und weil sich in der Gaststube auch die Nähmaschine der Hammer Fanny befand und darauf die Schnapsflaschen ihren Platz hatten, wurde das Wirtshaus humorvoll auch „Nähmaschinen-Bar“ genannt. Es wurde gekartelt, was das Zeug hielt. Und wenn ein Schafkopf-Spieler ausfiel, ließ sich die Fanny nicht zweimal bitten und sprang gerne ein.

An der Vilsecker Kirwa war bei Fanny Hochbetrieb. In der Küche half dann Cousine Margarete Zielbauer mit. Geschäftsleute kamen zum Kundschafts-Essen und taten sich besonders an den sauren Bratwürsten und dem köstlichen Wurstsalat gütlich.

Eine lustige Episode wird immer wieder erzählt. Eines Abends bestellte der Sparkassenchef Karl Vogl eine Runde Schnaps für seine Kartenspieler und die umsitzenden Gäste. Einen Klaren hatte Fanny immer parat. Die Doornkaat-Flasche stand wie üblich auf der Nähmaschine. Aber diesmal hatte Fanny auch ihr Weihwasser, ebenfalls in einer Doornkaat-Flasche, dort abgestellt.

Und so kam es, dass sie die Flaschen verwechselte und eine Runde Weihwasser ausschenkte. Jeder trank und merkte sofort, dass es nur blankes Wasser war. Doch keiner traute sich etwas zu sagen, denn jeder dachte, nur er hätte Wasser im Schnapsglas gehabt.

Beim Zahlen verrechnete Fanny natürlich auch die Runde Schnaps. Doch Herr Vogl deckte nun den Schwindel auf sagte: „Dei‘ Wasser zohl i ower niat!“ Da meinte Fanny, dass das nicht sein könne und holte rasch die Flasche. Nun bemerkte sie, dass auf der Unterseite der Zettel mit der Aufschrift „Weihwasser“ klebte. Da gab es ein großes Gelächter. Fanny wurde kreidebleich und entschuldigte sich tausendmal. Natürlich sorgte diese Story noch Jahre später immer wieder für Erheiterung im Wirtshaus beim Hammer-Specht.

Eine andere Geschichte hätte tragisch enden können. Ein dreister Bursche wollte eines Tages ein Pferd seines Vaters in die Gaststube führen. Zum Glück kam der Ackergaul nicht durch den Türrahmen, versetzte aber der Fanny einen riesengroßen Schrecken.

So um das Jahr 2000 war die Gaststube nur noch selten geöffnet. Fanny hatte keine Schankerlaubnis mehr. Sie durfte lediglich nur noch die Flaschen auf den Tisch stellen, was aber vor allem die Fußballer nicht von ihrem wöchentlichen Stammtischtreffen abhielt.

Fanny Hammer (rechts) hatte 2008 ihr Wirtshaus nur noch selten geöffnet. Hier genießt sie im Kreis ihrer Gäste noch ein paar fröhliche Stunden

2010 sperrte Fanny endgültig zu. Ein paar Jahre später zog sie ins Seniorenheim Vilseck. Am 17. Juni 2015 schloss sie im Alter von 98 Jahren ihre Augen für immer.

Fortsetzung: Vilseck: Alte Vilsecker Geschäfte - Pröls-Laden in der Froschau Nr. 61

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