Vilseck: Alte Geschäfte - Feinbäckerei Hösl

Im Hösl-Haus neben dem Vogelturm betrieb Josef Hösl seine Bäckerei und Konditorei

Man kann kaum glauben, dass es früher in Vilseck so viele Geschäfte gab, die nicht mehr existieren. In unserer Serie geht es heute auf dem Marktplatz weiter mit der Bäckerei Hösl.

Es ist überliefert, dass im Haus Nr. 32 seit alters her eine Bäckerei war: ab 1890 Bäumler, ab 1909 Niefanger, ab 1919 Hösl.

Die Nachforschungen ergaben, dass dort Michael Hösl, genannt Tannerbaam, 1919 die Witwe Anna Niefanger, geb. Schertl aus Pappenberg heiratete und mit ihr eine Bäckerei mit Verkauf betrieb. Einer der Lehrlinge war übrigens Karl Kredler, der später auf der gegenüberliegenden Marktplatz-Seite ebenfalls eine Bäckerei eröffnete.

Als Michael Hösl 1948 mit 60 Jahren nach längerer Krankheit verstarb, war schon klar, dass sein Sohn Josef (1920-2018) die Bäckerei weiterführen musste. Obwohl Josef andere Berufspläne hatte, erlernte er das Bäckerhandwerk noch bei seinem kränkelnden Vater, übernahm das Geschäft und legte kurze Zeit später die Meisterprüfung ab. Auch als Konditor war Josef Hösl sehr geschickt.

Dann kam der Krieg und Josef musste einrücken. Als er aus Russland zurückkam, heiratete er 1948 seine Braut Maria Schertl (1923-2008) aus der Kirchgasse. Mit ihr brachte er das Geschäft voran und baute Bäckerei und Lebensmittel-Laden weiter aus. Seine Schwarzwälder Torten, Bienenstich, Baumstamm und Puddingschnecken waren ebenso gefragt, wie Brot, Spitzeln und vieles andere mehr.

Er hatte auch Lehrlinge und meist einen Gesellen an seiner Seite. Die Vilsecker Hausfrauen brachten in der Weihnachtszeit ihren Hefeteig in Wannen zum Hösl, ließen sich vom Bäckermeister, der immer auf äußerste Sauberkeit achtete, daraus ihre Stollen formen und backen.

Frau Hösl, die ihrem Mann oft schon vor Ladenöffnung in der Backstube half, war neben der Kindererziehung den ganzen Tag über im Lebensmittelgeschäft präsent und bildete auch Bäckereifachverkäuferinnen aus.

In den 1960er Jahren kam auch eine Milchabteilung hinzu, die von der Molkerei Vilseck mit Milch, Butter, Quark, Sahne usw. beliefert wurde. Nach Schließung der Molkerei 1970 stellte Hösl den Verkauf der Milchprodukte ein und errichtete ein Stadtcafé. Mit dem inzwischen eingeführten Eduscho-Kaffee konnte man nun die leckeren Backwaren gleich an Ort und Stelle verzehren.

Selbst im hohen Alter waren Josef Hösl und seine Frau noch in Backstube und Laden anzutreffen, auch wenn der Chef gerne seinen Hobbys, dem Fotografieren und der Gartenarbeit bei seinem Wohnhaus in der Frühlingsstraße, frönte.
Leider gab es für den Betrieb aus familiären Gründen keine Fortsetzung. Das Geschäft wurde 2001 geschlossen. Nun sind die Räume an einen griechischen Restaurantbetreiber verpachtet, und die Wohnräume im Haus sind vermietet.

Vogelturm in Vilseck

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